Beim Winterschlussverkauf mögen Frauen gewiefte Schnäppchenjägerinnen sein. Wenn sie zu ihrem Bankberater gehen, kommen sie dagegen meist mit teureren Fonds nach Hause als Männer. Das geht aus einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervor, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAS) berichtet. Hauen Berater also systematisch ihre weibliche Kundschaft übers Ohr? Ganz so einfach ist es nicht, sagt Studienautorin Christine Laudenbach: "Ich würde aus der Studie nicht schließen, dass Frauen bewusst diskriminiert werden."

Die geschlechtsbedingte Gebühren-Lücke ist offenbar im Kern darauf zurückzuführen, dass Frauen schlichtweg andere Produkte empfohlen bekommen als Männer. Das hat auch einen Grund: Denn Sicherheit ist vielen Anlegerinnen wichtiger als Rendite. Deshalb bieten Berater ihnen eher rendite- und risikoarme Fonds an – sogar noch mehr, als es für das Sicherheitsgefühl der Kundinnen nötig wäre, wie die Studie zeigt. 

Nun sind Rentenfonds meist deutlich günstiger als Aktien- oder Mischfonds. Bankberater empfehlen Frauen allerdings häufiger teure Fonds aus dem eigenen Haus, während Männer eher günstige Produkte anderer Anbieter bekommen. Frauen zahlen deshalb für ihre Anlageportfolios im Schnitt genauso hohe Gebühren (1,9 Prozent pro Jahr) wie Männer, erzielen aber niedrigere Renditen – und könnten, wenn man die Art der ihnen verkauften Produkte betrachtet, eindeutig Geld sparen.

Männer spielen gern Basar
Bei der "Gender Gebühren Gap" kommt wohl noch ein weiterer Effekt zum Tragen: Männer bekommen häufiger Rabatte als Frauen. Das liegt offenbar an ihrer Lust am Verhandeln. "Bei Männern wird es zum Sport, das Günstigste herauszuholen", zitiert die FAS Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. "Männer achten stark auf die Zahlen, Frauen eher auf das Gesamtpaket."

Andere Vermögenberater und -beraterinnen, auch solche, die sich auf eine weibliche Kundschaft spezialisiert haben, berichten Ähnliches. Während Männer oft mit einer klaren Meinung in die Beratung gehen und eigentlich nur noch eine zweite Meinung einholen wollen, sind Frauen eher auf der Suche nach jemandem, der sie umfassend informiert und ihnen letztlich die Anlageentscheidung abnimmt. Ein solches "Rundum-Sorglos-Paket" hat seinen Preis. Co-Studienautorin und Finanzprofessorin Tabea Bucher-Koenen empfiehlt Frauen deshalb, sich besser auf die Finanzberatung vorzubereiten. (fp)