Fondsanbieter sollten mehr über ihre Kunden wissen. So können sich die Portfoliomanager in Krisenzeiten besser für Anteilsrückgaben wappnen und ausreichende Kapitalpuffer bereitstellen. Zu diesem Schluss kommt ein Positionspapier des europäischen Fondsverbands Efama und des internationalen Kapitalmarktverbands ICMA. In der Untersuchung beleuchteten die Branchenverbände die bestehende Regulierung zu Stresstests, mit denen die Liquidität von Investmentfonds in turbulenten Marktlagen getestet werden soll.

Auf der Suche nach möglichen Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte hatten Aufseher auch in der Asset-Management-Industrie nach möglichen Gefahrenherden gefahndet. In den Blick geraten ist dabei die Liquidität von Fonds in angespannten Börsenlagen. Die Diskussion drehte sich um Tests, mittels derer Portfoliolenker sicherstellen sollen, dass sie auch im Falle eines Börsencrashs ausreichend liquide Wertpapiere im Depot vorhalten, um gehäufte Anteilscheinrückgaben von Anlegern bedienen zu können. Auch ein zeitweiliger Rücknahmestopp war im Gespräch.

Bloß keine neuen Regeln
Die Branchenverbände rufen nun aber dazu auf, den Fondsmanagern keine zu genauen Vorgaben über solche Stresstests aufzuerlegen. Die Interessenvertreter begründen dies mit der großen Vielfalt an Märkten und Wertpapiertypen, welche die Lenker von Investmentfonds handhaben. Efama und ICMA plädieren dafür, die Regulierung nicht weiter zu verschärfen. Stattdessen sollten die Asset Manager mehr über ihre Kunden erfahren. Besonders im Retailvertrieb ist eine ganze Reihe von Intermediären zwischen Anbieter und Endkunde geschaltet. Die Zwischenhändler sollen den Fondsgesellschaften einen genaueren Einblick über die Verhaltensweisen der Anleger gewähren, sodass mögliche Anteilsrückgaben besser antizipiert und geplant werden könnten.

Als Beispiel führen die Verbände Daten darüber an, wieviel Geld von Endkunden in steuerlich begünstigten Anlageformen liegt. Grund: Hier sei die Bereitschaft zu einem spontanen Ausstieg eher gering. Die Lobbyisten regen einen runden Tisch an, bei dem Aufseher, Anbieter und Vertriebskanäle darüber diskutieren, wie solche Daten zusammengestellt werden können – ohne übermäßigen Aufwand zu verursachen. (ert)