Als Fondsnet vor 25 Jahren gegründet wurde, ging Georg Kornmayer noch zur Schule. Mit 17 Jahren gründete der "IT-Autodidakt", wie er sich selbst bezeichnet, eine Softwarefirma. Über einen Auftrag für einen Vermittler lernte er Fondsnet kennen – und blieb bei dem Maklerpool hängen. Mittlerweile gehört der 39-Jährige schon fast 15 Jahre der Geschäftsführung an. FONDS professionell ONLINE traf ihn in der Fondsnet-Zentrale in Erftstadt bei Köln zum Interview.


Herr Kornmayer, bekanntlich will die Bundesregierung die Aufsicht über Finanzanlagenvermittler auf die Bafin übertragen. Doch das Gesetzesvorhaben stockt. Glauben Sie noch daran, dass es umgesetzt wird?

Georg Kornmayer: Ja. Auch wenn derzeit niemand konkret weiß, wann es soweit sein wird: Dass die Aufsicht kommt, steht für mich nicht in Frage. Und das muss für die Berater auch nicht zwangsläufig so schlimm sein, wie so mancher befürchtet. Wer keine eigene Erlaubnis beantragen möchte, kann sich einem Haftungsdach anschließen. Außerdem gäbe es noch die Option einer Vertriebsgesellschaft, zu deren Ausgestaltung es aber bisher keine konkreten Vorgaben gibt. Unter dem Strich wird es sicher wieder einmal teurer für Branche werden. Aber das kennt man ja schon aus vergangenen Regulierungsvorhaben.

Das klingt recht resigniert. Haben Sie sich schlicht damit abgefunden, dass Finanzberater immer strengere Vorgaben erfüllen müssen?

Kornmayer: Mich nervt an der Regulierung weniger die Verschärfung an sich, sondern vielmehr die Salamitaktik, mit der der Gesetzgeber das Thema seit Jahren transportiert. Jahr für Jahr werden neue Diskussionen darüber geführt, was sich in Sachen Beratung und Anlegerschutz alles ändern müsste, anstatt einmal klare Kante zu zeigen. Und wenn die Gesetze oder die Verordnungen endlich vorliegen, ist in vielen Fällen immer noch nicht ersichtlich, wie die Vorschriften konkret von uns, den Beratern und der Branche umgesetzt werden müssen. Da bleiben in der Regel so viele Fragen offen. Ein krasses Beispiel dafür ist etwa das aktuelle Geldwäschegesetz.

Warum das?

Kornmayer: Zum Beispiel kann uns niemand verbindlich sagen, ob die bei uns angeschlossenen Berater jetzt zum Kreis der Verpflichteten gehören oder nicht. Wir haben uns dazu mit unseren Mitbewerbern und gemeinsam mit den Verbänden AfW, Votum und sogar dem BVI ausgetauscht und am Ende mit dem zuständigen Bundesfinanzministerium. Selbst dort gab es bis dato keine klare, verbindliche Aussage dazu. Wir agieren gewissermaßen im luftleeren Raum, und natürlich gilt wie immer das Vorsichtsprinzip. Wenn ich einen Appell an die Politik richten dürfte, dann diesen hier: Entscheidet mal! Selbst wenn wir morgen eine Bank werden müssten, um unsere Dienstleistung auch weiterhin anbieten zu können – wir würden es sehr wahrscheinlich machen. Hauptsache, wir haben endlich einmal Klarheit und mehr Planungssicherheit für die nächsten Jahre. Ich würde mit unseren Beratern nämlich gerne mal wieder darüber reden, wie man Neukunden akquiriert oder wie die Vermittler ihre Unternehmen effizienter aufstellen können, statt nur die neuesten Regulierungspläne zu diskutieren.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)


Ein ausführliches Interview mit Georg Kornmayer lesen Sie in Ausgabe 4/2020 von FONDS professionell, die den Abonnenten Ende November zugestellt wird.