Die Commerzbank-Kunden schließen drei Viertel aller Fonds- und ETF-Sparpläne mittlerweile über die App der Bank von mobilen Endgeräten aus ab, sagt Arno Walter, der bei der Commerzbank große Teile des Wertpapier- und Filialgeschäfts verantwortet. "Wichtig ist ein wirklich niedrigschwelliges Angebot. Mein Ziel ist, dass das Wertpapiersparen so einfach wird wie das Sparbuch", sagt Walter im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der soeben veröffentlichten Ausgabe 4/2021 erschienen ist.

Walter räumt ein, dass die Depoteröffnung wegen der vielen regulatorischen Vorgaben nach wie vor "keine leichte Kost" ist, auch wenn die Abläufe heute viel einfacher seien als früher. "Sobald diese Prozedur einmal durchlaufen wurde, ist es aber wirklich intuitiv", sagt der ehemalige Comdirect-Chef. "Vor einigen Tagen habe ich selbst über unsere App zwei neue Sparpläne angelegt, das war eine Sache von drei Minuten." Der Vorteil seiner Bank sei, dass sie die Kunden beim Schritt in die Wertpapierwelt begleiten könne. "Auch die meisten jungen Menschen wünschen sich einen Ansprechpartner, der ihnen bei Fragen weiterhilft – das kenne ich aus meiner Zeit bei der Comdirect", so Walter.

"Unser Angebot schrumpft nicht, es wird sogar breiter"
Doch lässt sich angesichts des Filialabbaus die Beratungskapazität überhaupt aufrechterhalten? Schließlich sollen bis Ende nächsten Jahres 340 von zuletzt noch 790 Niederlassungen schließen. "Mit 450 Standorten werden wir auch künftig immer noch deutschlandweit flächendeckend vertreten sein", betont der Bereichsvorstand. "Wir haben mal analysiert, wie viele Menschen wir mit unserem Filialnetz künftig erreichen werden. Demnach verlieren wir durch die Schließungen weniger als zehn Prozent an Reichweite."

Kern der neuen Strategie sei außerdem nicht, einfach Filialen zu schließen, sondern "den Kunden über alle verschiedenen Kanäle hinweg das bestmögliche Angebot zu unterbreiten". Neben den Filialen und den bekannten digitalen Kanälen baut die Bank bundesweit eine telefonische Beratung über zentrale Standorte auf. "Dass die Telefonberatung funktioniert, hat sich während des Lockdowns gezeigt", sagt Walter. "Für die Kunden bringt das den Vorteil einer verbesserten Erreichbarkeit mit sich. Unser Angebot schrumpft mit den Filialschließungen also nicht, es wird sogar breiter."

"Die Zahl der echten Wertpapierspezialisten nimmt eher zu"
Interessant ist, dass die Commerzbank die Kunden zunächst nur telefonisch betreut, nicht aber per Video. "Wir fahren die Technik sukzessive hoch und werden perspektivisch auch Videoberatung anbieten", erläutert Walter. Bei der Comdirect, die schon lange eine Baufinanzierungsberatung per Telefon und Video anbiete, habe man festgestellt, dass viele Kunden gar keinen Wert auf eine Videoübertragung legen. "Die telefonische Beratung funktioniert auf der Kreditseite hervorragend – und das letzte Jahr hat gezeigt, dass dies auch auf die Anlageseite zutrifft", so Walter. "Wenn Sie den Kunden durch ein Dokument oder einen Prozess lotsen, konzentriert er sich ohnehin voll auf die Internetseite und nimmt Sie oder Ihr Bild gar nicht mehr wahr. Der wesentliche Vorteil für den Kunden ist, dass er schnell und unkompliziert einen kompetenten Ansprechpartner erreicht – ob mit oder ohne Videobild ist da zweitrangig."

Die Frage, ob die Zahl der Anlageberater bei der Commerzbank durch den Umbau unter dem Strich sinken wird, kann Walter nicht eindeutig beantworten. "Das lässt sich schlecht beziffern", sagt er. "Aus den Filialschließungen wird es zwar zu einem Stellenabbau kommen, in den Beratungszentren bauen wir aber Kapazitäten auf. Die Zahl der echten Wertpapierspezialisten, die sich voll auf die Anlageberatung konzentrieren und auch vermögendere Kunden betreuen, wird perspektivisch eher zu- als abnehmen."

"Wir haben für wirklich alle Anleger etwas im Portfolio"
Insgesamt berichtet der Bereichsvorstand von einem "wirklich signifikanten Anstieg" im Wertpapiergeschäft. Allein in der Commerzbank habe sich das Neugeschäft im Wertpapierbereich in den ersten acht Monaten dieses Jahres auf drei Milliarden Euro summiert. "Commerzbank und Comdirect zusammen konnten jüngst beim betreuten Wertpapiervermögen die Marke von 200 Milliarden Euro überschreiten", sagt er.

Im Ergebnis habe das Wertpapiergeschäft im ersten Halbjahr für fast eine halbe Milliarde Euro Ertrag gesorgt, berichtet Walter. "Es zahlt sich aus, dass wir im Konzern für wirklich alle Anleger etwas im Portfolio haben: vom aktiven Trader über den Kunden, der seinen ersten Sparplan eröffnet, bis hin zum Unternehmer, der eine ausgefeilte Vermögensverwaltung braucht." (bm)


Das ausführliche Interview mit Arno Walter lesen Sie in FONDS professionell 4/2021 ab Seite 360 oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).