Frauen wagen sich seltener an den Kapitalmarkt als Männer, und wenn, dann investieren sie vorsichtiger, übelegter und weniger impulsiv als das "starke" Geschlecht. Das ist zumindest die landläufige Meinung zum Investitionsverhalten von Frauen. Stimmt auch – aber nicht in allen Punkten. Dies zeigen Anlaysen verschiedener Banken sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) genauer angeschaut hat.

So ergab eine Analyse der Direktbank ING Diba auf Basis von 1,2 Millionen Wertpapier- und neun Millionen Sparkunden, dass sich Frauen deutlich seltener für ein Wertpapierdepot entscheiden als Männer. 18 Prozent aller Sparer des Kreditinstituts würden außer einem Tagesgeldkonto auch ein Wertpapierdepot eröffnen, zitiert die FAZ aus der Untersuchung. Unter den männlichen Kunden seien es 23 Prozent, bei den Frauen nur zwölf Prozent.

Kein großer Unterschied
Auch eine Analyse repräsentativer Daten der Deutschen Bundesbank durch das ZEW kommt der FAZ zufolge zu dem Ergebnis, dass Frauen in Sachen Geldanlage weniger risikofreudig sind als Männer. Die Untersuchung der Daten von mehr als 9.200 Bundesbürgern zeige aber auch: Wenn Frauen erst einmal Wertpapiere besitzen, dann investieren sie in diese etwa gleich große Quoten wie Männer.

Eine Untersuchung der Quirin Privatbank kommt ebenfalls zu dem Resultat, dass sich Frauen und Männer in ihrem Anlageverhalten gar nicht so stark unterscheiden. In einer Analyse von Depots im Gesamtwert von über 1,2 Milliarden Euro, die der FAZ exklusiv vorliegt, habe sich herausgestellt, dass die Kundinnen der Bank fast den gleichen Anteil ihres Kapitals in Aktien anlegen wie die männlichen Kunden. Die durchschnittliche Aktienquote in den Depots der Frauen liege bei rund 49 Prozent, schreibt die FAZ. Bei den Männern seien es mit 54 Prozent nur unwesentlich mehr.

Frauen mögen Fonds
Für Berater gut zu wissen: Die Auswertung des ZEW zeigt der FAZ zufolge, dass Frauen bevorzugt über Fondsanteile am Kapitalmarkt agieren. Zwar mögen auch Männer Fonds, sie investieren in diese Anlageform aber deutlich weniger. Auch bei der ING Diba sei der Anteil an Fonds in den Depots der weiblichen Kunden höher als in denen der männlichen Anleger. (am)