Fidelity-Lenkerin Abigail Johnson wagt den Tabubruch und öffnet den Vermögensverwalter immer mehr für börsengehandelte Indexfonds (ETFs). So brachte der Fondsriese im vergangenen Jahr in den USA sechs neue Indexfolger auf den Markt. Sowohl Johnsons Großvater und Firmengründer, ihr Vater und Vorgänger an der Firmenspitze, wie auch sie selbst hatten den Familienkonzern stets als aktiven Manager positioniert und den Nutzen von Investments in Börsenbarometer grundsätzlich in Zweifel gestellt.

Doch der unübersehbare Erfolg der passiven Produkte und der damit aufkommende Kostendruck lässt der Thronerbin nun offenbar keine andere Wahl mehr, berichtet das "Wall Street Journal". Johnson durchleuchtete als erste Amtshandlung als Fidelity-Lenkerin die Kostenstrukturen und senkte bei einigen Fonds die Gebühren. Nun folgt der nächste logische Schritt: Sie nimmt die einst verpönten Indexfolger ins Sortiment.

"Kunden werden Fidelity verlassen"
"Wenn wir das nicht machen, werden die Kunden Fidelity verlassen", zitiert die Zeitung Charles Morrison, den Leiter des Asset Managements von Fidelity. Der Exodus deutet sich im Kleinen bereits an: Daten der Analysegesellschaft Morningstar zufolge haben US-Anleger 2016 Geld aus den Fonds von Fidelity abgezogen, berichtet das "Wall Street Journal".

Abigail Johnson, die sich selten in der Öffentlichkeit äußert, hatte 2014 den Fidelity-Vorstandsvorsitz von ihrem Vater Edward Johnson III übernommen, im Dezember 2016 rückte sie dann auch an die Spitze des Verwaltungsrats. Anders als bei börsennotierten Konkurrenten wie Blackrock oder Franklin Templeton hält die Familie Johnson weiterhin 49 Prozent der Anteile, 51 Prozent liegen bei den Mitarbeitern.

Aktiv wird passiv
Andere Häuser mit langer Tradition im aktiven Management reagieren ähnlich. So stiegen Franklin Templeton oder Legg Mason in den vergangenen Monaten mit Elan in das ETF-Geschäft ein. Auch aus dem frisch vermählten Hause Janus-Henderson verlautete als eine der ersten Strategie-Erklärungen, dass der anglo-amerikanische Anbieter sich stärker in dem passiven Segment engagieren werde (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Sollte jeder große Asset Manager auch ETFs anbieten?"). (ert)