Das laufende Jahr ist noch nicht vorbei, doch schon jetzt steht fest, dass deutsche Anleger einen so hohen Wertverlust erlitten haben wie nie zuvor. Die Spareinlagen der Bundesbürger haben real gerechnet in den ersten neun Monaten bereits mehr als 47 Milliarden Euro an Wert verloren, meldet Comdirect – das sind umgerechnet 570 Euro pro Kopf. Der Grund für die hohen Verluste: die gestiegene Inflationsrate. Im dritten Quartal lag sie im Mittel bei 3,9 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 28 Jahren.

Vieles ist zuletzt teurer geworden, etwa Energie und zahlreiche Dienstleistungen. Gleichzeitig fielen die durchschnittlichen Zinssätze für Tages- und Festgeld, Girokonten und Spareinlagen auf einen neuen Tiefstand von 0,09 Prozent. Der aktuelle Realzins liegt folglich bei minus 3,81 Prozent, haben Comdirect-Experten ausgerechnet – und damit auf dem niedrigsten Wert, seit die Direktbank im Jahr 2003 in Zusammenarbeit mit Barkow Consulting ihren "Realzins-Radar" gestartet hat.

Sparwut macht blind
"Der seit dem Frühjahr beschleunigte Preisauftrieb bringt die deutschen Sparer in die Bredouille", sagt Comdirect-Marktexperte Andreas Lipkow. "In Relation zu den niedrigen Zinsen ist die Geldentwertung derzeit wirklich dramatisch." Trotzdem haben Sparer allein in den vergangenen zwölf Monaten 141 Milliarden Euro neu auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten gelegt oder in anderen praktisch unverzinsten Sparprodukten geparkt.

Wie teuer die Niedrigzinsen Sparer zu stehen kommen, zeigt sich besonders deutlich in der Langzeitbetrachtung: Seit Ende 2010 hat jeder Deutsche durch Minizinsen und Inflation im Schnitt 2.320 Euro verloren. "Ein Ende der ansteigenden Inflation ist zumindest bis zum Jahreswechsel nicht in Sicht", warnt Lipkow. Die Bundesbürger sollten ihr Sparverhalten deshalb dringend überdenken und nur Geld auf Sparkonten liegen lassen, das sie in den kommenden ein oder zwei Jahren für größere Anschaffungen benötigen, rät er. (fp)