Die deutsche Versicherungswirtschaft kann erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Die Gesellschaften berichten trotz eines schwachen wirtschaftlichen Umfeldes über ein spürbares Beitragswachstum, das von inflationsbedingten Prämienanpassungen, einem starken Einmalbeitragsgeschäft in der Lebensversicherung sowie steigenden Beitragseinnahmen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) getragen war. Das teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch (4.2.) auf seiner Jahresmedienkonferenz mit – auf der er erneut forderte, dass Versicherer auch von der gesetzlichen Beratungspflicht beim geplanten neuen Altersvorsorgedepot ausgenommen werden.

"Das solide Wachstum 2025 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spielräume kleiner werden", bremste GDV-Präsident Norbert Rollinger die Erwartungen für 2026. Hintergrund sei die strukturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft, die Wachstum und Beschäftigung zunehmend bremst, auch wenn höhere Staatsausgaben kurzfristig stabilisierend wirken. "Wenn weniger gebaut, investiert und konsumiert wird, trifft das langfristig auch die Versicherungswirtschaft", so Rollinger, im Hauptberuf Chef des genossenschaftlichen Versicherers R+V.

Lebensversicherung: Einmalbeiträge treiben das Wachstum
Die Lebensversicherung legte 2025 bei den Einnahmen um 5,1 Prozent auf 99,4 Milliarden Euro zu. Hauptgrund war, wie erwähnt, ein kräftiges Plus bei den Einmalbeiträgen (+16,9%). Sinkende Inflation, steigende Reallöhne, stabile Langfristzinsen und der erhöhte Höchstrechnungszins machten Sparprodukte laut GDV wieder attraktiver. Dagegen stagnierte das Geschäft mit laufenden Beiträgen (+0,1%). Für 2026 prognostiziert der GDV ein moderates Plus von 1,1 Prozent, getragen von weiteren Zuwächsen bei Einmalbeiträgen (+4,8%), während laufende Beiträge voraussichtlich um 0,8 Prozent zurückgehen.

Nach mehreren schwierigen Jahren legte die Schaden- und Unfallversicherung 2025 spürbar zu. Die Beitragseinnahmen stiegen um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der GDV in dem Bereich ein weiteres Beitragswachstum von 5,2 Prozent. Die PKV verzeichnete 2025 ein Beitragswachstum von 7,3 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Leistungsausgaben um 7,1 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro – insbesondere infolge des medizinischen Fortschritts und der allgemein steigenden Kosten im Gesundheitswesen.

Beratungsverzicht bitte!
Ein großes Problem der Branche ist laut GDV die gesetzlich verankerte Beratungspflicht für Lebensversicherer, wenn sie das geplante Standarddepot im Rahmen der Altersvorsorgereform anbieten möchten. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen warnte bei der Jahresmedienkonferenz erneut vor einem Wettbewerbsnachteil für die Versicherer, wie der Branchendienst "Versicherungsjournal" berichtet. Hintergrund ist, dass Versicherer gemäß Paragraf 6 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) immer beraten müssen, während beim neuen Standarddepot die Beratungspflicht für Lösungen, die keinen Versicherungsmantel haben, entfallen und das Produkt "Execution Only" vertrieben werden kann, etwa über eine digitale Strecke.

Darauf hatte der Verband bereits in seiner Mitte Dezember veröffentlichten Stellungnahme zum Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge hingewiesen. "Deshalb bedarf es für den Vertrieb von Standarddepot-Verträgen einer Ausnahme von der Beratungspflicht (mit Angemessenheitsprüfung) sowie einer Ausnahme von der Pflicht zur Durchführung einer Angemessenheitsprüfung. Die Ausnahme von diesen Pflichten könnte z.B. in Paragraf 6 Absatz 6 VVG verankert werden", führte der GDV in der Stellungnahme aus. (jb)