Viele Deutsche im vermeintlich "besten Alter" zwischen 40 und 55 Jahre stellen sich innerlich darauf ein, im Alter gravierende Probleme zu haben. Nur eine Minderheit blickt optimistisch in die Zukunft und freut sich auf den Lebensabend. Dies ist die zentrale Botschaft einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), für die das Sinus Institut insgesamt 1.000 Personen zwischen 40 und 55 Jahren online befragt hat.

Insgesamt schauen 58 Prozent der Befragten in wenigstens einem der zentralen Bereiche Gesundheit, Finanzen und soziale Kontakte pessimistisch nach vorne. Rund ein Viertel geht sogar davon aus, in zwei oder allen drei Bereichen mit Schwierigkeiten kämpfen zu müssen. "Wenn die Befürchtungen dieser Menschen sich bewahrheiten, dann entsteht hier eine große Problemgruppe", kommentiert Silke Borgstedt, Direktorin Sozialforschung am Sinus-Institut, die Zahlen.

Glücksfaktoren: Gesundheit, Geld, Freunde und Familie
Damit zeichne sich unter den fast 20 Millionen Menschen, die heute zwischen 40- und 55 Jahren alt sind, eine scharfe Polarisierung ab. "Mit Blick auf ihre Zukunftserwartungen leben die Menschen teilweise in ganz unterschiedlichen Welten", sagt Borgstedt. Nur 18 Prozent der zukünftigen Rentner sehen sich besonders gut aufgestellt – haben also in wenigstens zwei von drei Bereichen positive Erwartungen.

Viele der erwarteten Probleme haben dabei mit der heutigen Lebenssituation zu tun: "Die Menschen, die heute wenig körperlich aktiv sind, machen sich Sorgen um ihre Gesundheit von morgen", sagt Borgstedt. Wer sich heute nicht um Freunde und Familie kümmere, sehe sich auch im Alter eher einsam. "Und wer nicht spart oder sparen kann, der fürchtet um seine finanzielle Sicherheit in der Rente", erklärt die Sozialforscherin. Trotzdem schafften es viele nicht, den aktuellen Zustand zu verändern – sei es aufgrund fehlender Ressourcen, durch das Aufschieben von wichtigen Entscheidungen oder diversen Vorurteilen, die grundlegende Verhaltensänderungen verhindern..

Am häufigsten rechnen die "Rentner von morgen" mit gesundheitlichen Problemen im Alter. "38 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihr körperlicher Zustand im Alter schlecht sein wird", sagt die Expertin. Dass sie sich im Alter einer gute Gesundheit erfreuen dürfen, glauben nur 14 Prozent.


Quelle: GDV; Sinus
Etwas größer ist der Optimismus bei den Finanzen: Immerhin ein Viertel der Befragten erwartet in der Rente eine gute finanzielle Situation. 37 Prozent rechnen hier allerdings mit Problemen. "Darunter sind auch viele Menschen mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichen Einkommen, die erwarten, ihren Lebensstandard nicht halten zu können", erklärt Borgstedt.

Dass der Anteil der "Finanzpessimisten" bei Haushalten, die monatlich über weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen verfügen, sehr hoch ist, verwundert kaum. Etwas anderes hingegen schon: Selbst unter den Gutverdienern, die nach Abzug von Steuern über monatlich bis zu 4.000 Euro verfügen, rechnet jeder Fünfte mit finanziellen Engpässen im Alter. (fp)