Tandems, die Eltern mit ihrem Nachwuchs bilden, um für einige Jahre gemeinsam den Betrieb zu führen, sind im deutschen Mittelstand schon länger bekannt. Gerade im produzierenden Gewerbe gestalten Unternehmer auf diese Weise oft einen schrittweisen Übergang der Firma auf die nächste Generation. In der Branche der Finanzberater und Versicherungsvermittler ist dieses Modell bislang eher die Ausnahme. Dabei hat ein solcher Tandemsprung in die Zukunft enorme Vorteile.

FONDS professionell hat mit Beratern gesprochen, die mit ihren Söhnen oder Töchtern ein solches Generationen-Tandem bilden. Heute berichten Wilfried und Sebastian Cramer von der Plansecur-Geschäftsstelle in Meinheim über ihre Erfahrungen.


Sebastian Cramer ist gerade dabei, langsam in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der studierte Betriebswirt Wilfried Cramer entdeckte in den 1990er Jahren nach verschiedenen beruflichen Stationen die Finanzberatungsgesellschaft Plansecur und ist seitdem unter dem Dach der Gesellschaft als Finanzberater im bayrischen Meinheim tätig. Seit 2004 ist er zudem Gesellschafter. Sohn Sebastian stieß Anfang 2013 dazu. 

"Während meiner Schulzeit waren wir einmal mit der Klasse bei der Agentur für Arbeit und haben einen Test gemacht, um herauszufinden, welcher Beruf denn zu uns passen würde", berichtet Cramer junior. Bankkaufmann oder Finanzberater lautete sein Ergebnis. Nach einer Ausbildung bei der örtlichen Sparkasse und zwei Jahren als Privatkundenberater wechselte der heute 32-Jährige zu Plansecur, denn sein Vater war dort sehr zufrieden. 

Im Doppel ist es einfacher
Inzwischen arbeiten Vater und Sohn Seite an Seite. Rein rechtlich haben beide ihren eigenen Kundenstamm, doch in der Praxis ist diese Unterscheidung nicht so streng. "Natürlich berate ich auch mal die Kunden meines Vaters und umgekehrt", sagt Sebastian Cramer. Schön findet er, dass es zu zweit einfacher ist, einen Mandantenstamm auszubauen. "Im Tandem hat man im Grunde doppelt so viel Zeit, außerdem ist es gut, dass wir Themen, die Kunden bewegen, auch gemeinsam durchsprechen können", sagt er.

Sebastian Cramer betreut bereits viele Kinder der Kunden seines Vaters. "Diese sind ja eher in meinem Alter und wünschen sich oft eine andere Art der Betreuung", berichtet er. Die meisten wollten online oder per Video-Call ­beraten werden. "Die ältere Generation bevorzugt meist noch den persönlichen Kontakt, ich glaube, daher ergänzen wir uns ganz gut", meint Cramer junior. 

Gegenseitige Unterstützung
Er unterstütze seinen Vater im digitalen Bereich und könne sich seinerseits bei dem erfahrenen Finanzprofi Feedback holen. "Das ist sehr hilfreich", sagt der Junior. Wilfried Cramer freut sich darüber, dass er nach fast 25 Jahren Finanzberatung seinen Kunden die Perspektive bieten kann, dass die Betreuung eines Tages in die Hände seines Sohnes übergehen wird. "Das bedeutet Stabilität, was aus Kundensicht sehr vorteilhaft ist", findet er. 

Natürlich sei geplant, dass Sebastian einmal alle Mandanten übernimmt. Im Moment hat das Vater-Sohn-Tandem aber erst einmal andere Pläne. "Wir möchten uns vergrößern und suchen daher weitere Berater", sagt Sebastian Cramer. Und Vater Wilfried erklärt: "Ich werde demnächst 60, aber ich kann mir vorstellen, dass ich noch Lust habe, fünf bis zehn Jahre zu arbeiten", sagt er. Erst dann wird er vielleicht den Entschluss fassen, sich aus der Finanzberatung zurückzuziehen – und das berufliche Tandem mit seinem Sohn auflösen. (am)


Einen ausführlichen Bericht über Generationen-Tandems in der Finanz- und Versicherungsbranche finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2022 von FONDS professionell ab Seite 328. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.