Tandems, die Eltern mit ihrem Nachwuchs bilden, um für einige Jahre gemeinsam den Betrieb zu führen, sind im deutschen Mittelstand schon länger bekannt. Gerade im produzierenden Gewerbe gestalten Unternehmer auf diese Weise oft einen schrittweisen Übergang der Firma auf die nächste Generation. In der Branche der Finanzberater und Versicherungsvermittler ist dieses Modell bislang eher die Ausnahme. Dabei hat ein solcher Tandemsprung in die Zukunft enorme Vorteile.

FONDS professionell hat mit Beratern gesprochen, die mit ihren Söhnen oder Töchtern ein solches Generationen-Tandem bilden. Heute berichten Heiko und Lukas Juppien aus der Geschäftsstelle Dinslaken der Finanzberatungsge­sellschaft Plansecur von ihren Erfahrungen.


Es war im Jahr 2011, als Lukas Juppien seinem Vater einen ungewöhnlichen Vorschlag machte. Heiko Juppien, gelernter Bankkaufmann, Diplom-Bankbetriebswirt und zertifizierter Finanzplaner, war 2005 zur Private-Banking-Tochter der Sparda-Bank West, der Laureus Privat Finanz mit Sitz in Düsseldorf, gewechselt. Dort war er einer der ersten Berater. "In der Aufbauphase war mein Sohn in den Ferien oft da und lernte schon früh die Arbeit in einer Vermögensberatung kennen", berichtet Juppien senior. Das gefiel ihm so gut, dass er sechs Jahre später erklärte: "Papa, ich will eines Tages dein Nachfolger werden." 

Das Erstaunliche daran war weniger die Absichtserklärung. Ungewöhnlich war vielmehr, dass Lukas Juppien erst neun Jahre alt war, als er die ersten "Ferienjobs" bei Laureus übernahm – und 14, als seine Entscheidung fiel. Trotzdem hat er diese nie revidiert. Seit 2019 arbeitet er in der Geschäftsstelle Dinslaken der Finanzberatungsge­sellschaft Plansecur mit Heiko Juppien im Tandem. 

Zu Hause lief es anders
"Nach dem Abi habe ich 2014 erst einmal eine Ausbildung bei der Sparkasse in Oberhausen absolviert und danach auch als Berater dort gearbeitet", erzählt Lukas Juppien. Berufsbegleitend studierte er an der Frankfurt School of Finance & Management und schloss mit dem Diplom als Bankbetriebswirt ab. "Mit der Zeit habe ich aber immer mehr gemerkt, dass die Anlageberatung bei der Sparkasse nicht meinen Vorstellungen entspricht", sagt Lukas Juppien. "Zu Hause lief das ganz anders, bei der Beratung war viel mehr Freude dabei", erklärt der heute 25-Jährige.

Mit ihrem Tandem, das sie inzwischen fahren, sind Vater und Sohn sehr zufrieden. "Wir haben in der Beratung natürlich unterschiedliche Schwerpunkte", berichtet Heiko Juppien, der selbst erst 53 Jahre alt ist. Während Lukas sich seinen eigenen jungen, technikaffinen Kundenstamm aufbaut und stark auf das Thema Nachhaltigkeit setzt, liegt das Durchschnittsalter der sehr vermögenden Klientel seines Vaters bei 71 Jahren. "Aber obwohl wir ganz unterschiedliche Beratungsansätze verfolgen, teilen wir dieselbe Philosophie, kommen zu ähnlichen Ergebnissen – und das ist schön", sagt der Senior.

Von der Expertise des Vaters lernen
Der Junior sieht die Vorteile des Tandems vor allem in der Erfahrung und der Expertise seines Vaters, auf die er zurückgreifen kann. Zwar hat er nach seinem ersten Studiengang auch noch ein Studium der Finanzökonomie abgeschlossen und strebt derzeit eine Zulassung als zertifizierter Finanzplaner an. "Aber in der Praxis gibt es viele Aspekte, die man an der Uni nicht lernt", findet er. Da helfe es schon, dass er sich in Beratungsgesprächen, die er mit seinem Vater gemeinsam führt, das eine oder andere abschauen kann. 

"Und gerade in technischen Dingen kann er, glaube ich, auch ein bisschen von mir lernen", sagt der Junior. Der größte Charme des Tandems liegt für die Juppiens aber in einem anderen Punkt: "Ich habe nur rund 70 Kunden, aber die meisten kenne ich schon seit 20 oder 30 Jahren", sagt Vater Heiko. All diese Kunden hat er bereits zum Thema Vermögensnachfolge beraten und kennt so auch ihre künftigen Erben. 

Die Kinder der Kunden
"Weil Lukas bei den Gesprächen zum Teil dabei war, hat er in vielen Familien die Beratung der Kinder und Enkel übernommen", sagt der Senior. "Für die Kunden wiederum ist es natürlich vorteilhaft, dass sie heute schon meinen späteren Nachfolger kennenlernen", erklärt er. Das komme sehr gut an, schließlich könne sich so Schritt für Schritt ein neues Vertrauensverhältnis aufbauen.

Wenn Heiko Juppien 2027 seinen 58. Geburtstag feiert, soll Sohn Lukas bereits die Hälfte der väterlichen Kunden allein beraten. "Ich möchte dann nur noch sechs Monate im Jahr arbeiten, dafür aber dabeibleiben, bis ich ungefähr 70 bin", berichtet Juppien senior. Lukas hat vorerst keine ­weiteren Pläne. "Ich empfinde meine Arbeitssituation geradezu als luxuriös", sagt er. "Vielleicht habe ich ja eines Tages selbst einen Sohn oder eine Tochter, dann kann die Finanzberatung in die dritte Generation gehen", überlegt er. (am)


Einen ausführlichen Bericht über Generationen-Tandems in der Finanz- und Versicherungsbranche finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2022 von FONDS professionell ab Seite 328. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.