Versicherungsvermittler bekommen einen Aufschub: Die Bundesregierung plant, den angekündigten Provisionsdeckel bei Lebensversicherungen erst 2019 einzuführen. Die Änderungen bei der Berechnung der seit 2011 vorgeschriebene Zinszusatzreserve (ZZR), die den Versicherungsgesellschaften die Finanzierung derselben erleichtern sollen, kommen aber wohl noch dieses Jahr. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Antwort des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf eine Anfrage von Gerhard Schick, dem scheidenden Finanzexperten der Grünen-Fraktion im Bundestag.

Die beiden Maßnahmen basieren auf einer Evaluierung des 2014 in Kraft getretenen Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) durch das Ministerium. In diesem kommen die Beamten zu dem Schluss, dass die Kosten für den Abschluss einer Lebenspolice trotz des LVRG immer noch zu hoch sind. Da die Provisionen für Vermittler innerhalb der Vertriebskosten den größten Block darstellen, ist die Schlussfolgerung des BMF klar: Die Provisionen müssen gedeckelt werden.

Wie hoch darf der Deckel sein?
Über die exakte Höhe der Begrenzung ist bislang nichts aus den Zimmern des BMF an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Finanzaufsicht Bafin hatte dagegen Ende vergangenen Jahres einen Provisionsrichtwert vorgeschlagen: 2,5 Prozent der Beitragssumme seien akzeptabel, Provisionen bis vier Prozent vertretbar, wenn dem entsprechende Zusatzleistungen des Vermittlers gegenüberstünden. Alles über vier Prozent gehe aber gar nicht.

Courtagekritiker wie der Bund der Versicherten meinen, dass sogar 1,5 Prozent das Maximum bei den Abschlussvergütungen sein sollten. Demgegenüber kommt eine Studie des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (IFA) aus Ulm zum Ergebnis, dass Makler bei einem zu niedrig angesetztem "Cap" hohe Ertragsverluste hinnehmen müssten. Mit anderen Worten: 1,5 Prozent ist zum Leben zu wenig.

Neuer Referenzzins für ZZR
Der zweite Punkt der LVRG-Überarbeitung betrifft die ZZR: Da die Rückstellungen, die mittlerweile bei rund 60 Milliarden Euro liegen, die Bilanzen der Versicherer belasten, soll die Berechnungsart geändert werden, sodass die Reserve weniger schnell ansteigt. Hierbei steht der sogenannte Referenzzins im Zentrum der Überlegungen.

Die ZZR berechnet sich aus der Differenz zwischen Referenz- und dem durchschnittlichen Garantiezins einer Policengeneration. Als Referenzzins wird "der zehnjährige Durchschnitt der Renditen zehnjähriger europäischer Staatsanleihen höchster Bonität" genommen. Das Absinken dieses Referenzzinses auf 2,21 Prozent hat dazu geführt, dass die Versicherer mittlerweile für Policen mit einem Rechnungszins von 4,00 Prozent, 3,50 Prozent, 3,25 Prozent, 3,00 Prozent, 2,75 Prozent und 2,25 Prozent die ZZR stemmen müssen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Assekuranz plädiert daher für Konzepte für einen neuen Rechnungszins, der nicht so schnell sinkt wie der aktuelle. Die Gesellschaften wissen dafür ein gutes Argument auf ihrer Seite: Um die ZZR aufzufüllen, müssen sie oftmals ältere, hochverzinste Anleihen verkaufen. Damit wiederum schrumpfen die Gesamterträge, was am Ende des Tages zulasten der Kunden geht, da auf diese Weise auch die aktuellen Gewinne immer weiter sinken. (jb)