In Deutschland grassiert die Angst vor Altersarmut. Jeder zweite Bundesbürger zwischen 20 und 65 Jahren fürchtet, dereinst seinen gewohnten Lebensstandard nicht halten zu können, zeigt der große Vorsorgereport der Deutschen Bank. Das Kreditinstitut hat dafür mehr als 4.000 Bundesbürger in dieser Altersgruppe befragen lassen. Gerade einmal jeder Sechste geht davon aus, dass die gesetzliche Rente im Ruhestand ausreichen wird. 

Besonders dramatisch: Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass das gesetzliche Rentensystem über kurz oder lang komplett zusammenbricht. Zu dieser Einschätzung trägt unter anderem die fortschreitende Anhebung des Rentenalters bei. Kein Wunder, dass 67 Prozent der Studienteilnehmer die Einführung einer Grundrente befürworten, wie sie die Große Koalition gerade beschlossen hat. Andererseits gehen nur 22 Prozent davon aus, dass diese Grundrente, die im Januar 2021 starten soll, ihre persönliche Rentenlücke eines Tages schließen kann.

Ansparlücke von 150 Euro pro Monat
In dieser Gemengelage bleibt die private Altersvorsorge ein Muss. Ein "Erkenntnisproblem" kann man den Befragten nicht attestieren: Rund 70 Prozent der Befragten halten es für unerlässlich, privat für das Alter zu sparen. Vor allem Personen zwischen 35 und 54 Jahren sowie Besserverdiener finden es wichtig, in Eigeninitiative Geld für den Ruhestand zurückzulegen. Ein "Umsetzungproblem" aber haben einige schon: Private Vorsorge ist auch eine Frage der flüssigen Mittel: Jeder Zweite würde zwar laut Vorsorgereport gern für das Alter sparen, hat dafür aber nach eigenen Angaben nicht genug Kapital zur Verfügung.

Momentan legen die Befragten laut eigenen Angaben im Schnitt 50 Euro pro Monat für ihre private Altersvorsorge zurück. Ihren eigenen Schätzungen zufolge müssten sie allerdings satte 200 Euro pro Monat sparen, um die Rentenlücke zu schließen. Hier zeigt sich ein Zielkonflikt: Geld haben will jeder, dafür Opfer bringen, – sprich: wahren Verzicht üben – aber nicht. Nur ein Drittel der Befragten ist dazu bereit, sich heute einzuschränken, um im Alter mehr Geld im Portemonnaie zu haben. (fp/ps)


Über die Studie
Für die Studie "Deutschland im Alter – Deutsche Bank Vorsorgereport" hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Oktober mehr als 3.200 Bundesbürger im Alter zwischen 20 und 65 Jahren befragt, und im November – nach dem Entscheid zur Grundrente – noch einmal 900 Deutsche.