Deutschlands Finanzdienstleistungsbranche beschäftigen derzeit vor allem zwei Themen: die Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und die Robo-Beratung. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, denn derzeit wird fast im Wochentakt der Start einer neuen Online-Vermögensverwaltung verkündet, zuletzt etwa von Minveo, M.M. Warburg oder der Deutschen Wertpapiertreuhand.

Auch Robo-Berater, die schon länger am Markt tätig sind und bislang nicht mit einer Erlaubnis gemäß Paragraf 32 Kreditwesengesetz (KWG) operierten, sondern lediglich mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung, beantragen die "große" Bafin-Lizenz. Die Euphorie dürfte durch das Aus von Cashboard aber ein wenig gedämpft worden sein. Gerald Klein, Gründer und Geschäftsführer des Berliner "Robos" Growney, äußert sich im Interview mit FONDS professionell ONLINE zu seinen Plänen und der Bedeutung der Cashboard-Insolvenz für den Markt.

Herr Klein, Sie haben die KWG-32-Lizenz beantragt, "um neue Geschäftsfelder zu erschließen und weitere Dienstleistungen anzubieten"? Was meinen Sie damit genau?

Gerald Klein: Ein Fondsautausch wird bei Growney heute vorgenommen, nachdem ein Kunde unsere Handlungsempfehlung nachvollzogen und zugestimmt hat. Wir möchten zukünftig auch Kunden gewinnen, die diese Entscheidung an uns abgeben wollen. Als Finanzportfolioverwalter können wir insbesondere Kunden, die ihren Sparerpauschbetrag schon ausgeschöpft haben, bei der nachgelagerten Besteuerung leichter unterstützen.

Wird es im Zuge der neuen Lizenz Änderungen bei den bislang angebotenen fünf Strategien und den Kosten geben?

Klein: Ja und Nein. Für Unternehmen und deren Mitarbeiter stellen wir heute schon jede beliebige Asset-Allokation her. Zudem werden wir auch zukünftig nur ETFs einsetzen. Die Gebühren werden aber nicht erhöht. Wir hoffen im Gegenteil, die Kosten mit zusätzlichen Kunden eher weiter senken zu können.

Stehen diese strategischen Änderungen im Zusammenhang mit der Insolvenz des Mitbewerbers Cashboard, der keine eigene KWG-32-Lizenz hatte, sondern unter einem Haftungsdach operierte?

Klein: Unsere transaktionsarme Investmentstrategie kann mit einer Lizenz gemäß Paragraf 34f GewO und mit einer Lizenz gemäß Paragraf 32 KWG gleichermaßen sehr gut umgesetzt werden. Bei uns können die Kunden demnächst wählen, ob sie mitentscheiden wollen oder ihnen eine Information über Änderungen, die wir im Portfolio vornehmen, genügt.

Bleiben wir kurz bei Cashboard: Ist das Aus nicht ein Zeichen dafür, dass zu viele Anbieter um die Gunst der privaten Anleger buhlen?

Klein: Nein. Jede Bank und viele andere Finanzdienstleister werden demnächst über einen automatisierten Beratungsansatz verfügen. Daher wird die Zahl der "Robos" noch sehr stark zunehmen. Das wesentliche Kriterium wird am Ende die Wertentwicklung gekoppelt mit dem Risikogehalt einer Strategie sein. Niedrige Kosten über die gesamte Wertschöpfungskette gepaart mit einer diversifizierten Anlagestrategie sind der Erfolgsgarant für einen Spitzenplatz in der Vermögensverwaltung. Wir sind für diesen Wettlauf sehr gut aufgestellt.

Kürzlich wurde bekannt, dass Sie auch bAV-Lösungen anbieten wollen: Wie genau soll das funktionieren?

Klein: Bisher haben Unternehmen uns angesprochen, ob sie unser Angebot auch im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge einsetzen können. Mit unabhängigen bAV-Rentenberatern haben wir eine Lösung erarbeitet. bAV ist grundsätzlich die effizienteste Art zu sparen. Unser Beitrag ist eine transparente, kostengünstige und 100 Prozent digitale Lösung, die für den Mitarbeiter am Ende mehr Rendite bringt. Bisher können unsere Lösung aber nur bilanzierende Unternehmen einsetzen.

Wir danken für das Gespräch. (jb)