Der Kampf um Wertpapierkunden nimmt weiter Fahrt auf. Volks- und Raiffeisenbanken planen im Oktober die Einführung eines Depotmodells mit sehr günstigen Konditionen für den Handel mit Aktien, ETFs und auch Krypto-Assets. Das Angebot "Mein Depot neo", das in die VR-Banking-App integriert wird, soll zeitnah weiterentwickelt werden – inklusive "wettbewerbsfähiger Preise". Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein Schreiben an die Vorstände der mehr als 600 deutschen Genossenschaftsbanken.

Das Schreiben stammt vom genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank und der Fondsgesellschaft Union Investment. Das grüne Licht für "Mein Depot neo" gab aber dem Bericht zufolge der Verbandsrat des Branchenverbands BVR. Dieser äußerte sich gegenüber dem "Handelsblatt" indes nicht zum Inhalt des Briefes. Erste Berichte über Pläne der Genobanken für ein kostengünstiges Wertpapierdepot gab es im Mai.

Antwort an Mitbewerber
Das Depotmodell ist auch eine Reaktion der Volks- und Raiffeisenbanken auf den Vorstoß der Sparkassen, die mit "S-Neo" bereits ein Angebot für einfachen und günstigen Aktien- und ETF-Handel sowie Wertpapiersparen gestartet haben. Und natürlich auf die Konkurrenz durch Neobroker wie Trade Republic und Scalable oder Smartphonebanken wie Revolut.

All diese Konkurrenten bieten sehr günstige Konditionen – so verlangen die Sparkassen in ihrem "S-Neo"-Angebot meist 95 Cent oder einen Euro pro Transaktion. Die Neobroker rufen ähnliche Preise auf. Bei den Genossenschaftsbanken werden ebenfalls Gebühren zwischen 90 Cent und einem Euro je Transaktion diskutiert, wie das "Handelsblatt" schreibt.

Konkurenz wird immer stärker
Die Konkurrenz für die Genobanken, aber auch die Sparkassen, durch die neuen Player lässt sich mit Zahlen belegen. Der Marktanteil der Volksbanken an den Depots in Deutschland ist von 2004 bis Ende 2024 von 36 Prozent auf knapp 20 Prozent gesunken, so die Zeitung unter Berufung auf Bundesbank-Zahlen. Im selben Zeitraum legten die privaten Banken, getrieben durch Onlinebanken und besonders Neobroker, deutlich zu.

Ferner entschied der BVR-Verbandsrat auch, das Projekt "Zuwachs" fortzuführen und bis Ende 2027 eine separate Wertpapier-App für junge Neukunden zu entwickeln. Dafür solle eine "neue, eigenständige Marke" geschaffen werden, wie es laut der Wirtschaftszeitung in dem Vorstandsschreiben heißt. Die rechtliche Einheit dafür soll demnach der Genobroker, eine Tochter des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bilden. (jb)