In Europa scheint sich der Bullenmarkt seinem Ende zu nähern. Das meint jedenfalls John Bennett, Leiter des Teams für europäische Aktien bei Henderson Global Investors. "Die besten Aussichten in Europa haben meines Erachtens Standardwerte, denn Anleger sind bereit, für Qualitätsunternehmen, die sie für eine sichere Ertragsquelle halten, tiefer in die Tasche zu greifen", sagt er.

Auf Sektorebene seien Pharmawerte interessant, außerdem Telekommunikations- und Versorgeraktien. "In beiden Bereichen sehen wir für 2015 Chancen", so Bennett. Getrieben durch M&A-Spekulationen kam es 2014 zu einer Rally im europäischen Telekommunikationssektor. Der Henderson-Manager rechnet damit, dass sich der Konsolidierungstrend fortsetzt. "Für Versorgeraktien spricht das rasante Tempo der Veränderung, das wir derzeit in der Branche beobachten. In diesem Segment haben wir vor allem deutsche Versorger im Visier, deren Bilanzen sich langsam bessern und bei denen der Gegenwind seitens der Politik allmählich nachlässt."

Unter den großen Regionen bleibe Europa der Prügelknabe: Die Wirtschaft liegt im Argen, die Politik findet keine vernünftigen Antworten auf aktuelle Probleme, und die Gräben an den Finanzmärkten werden immer tiefer. "Ich konzentriere mich daher lieber auf einzelne Branchen, in denen ich attraktive Unternehmen aufspüre, statt auf geopolitische Ereignisse, die wir ohnehin nicht beeinflussen können und die sich als wesentlicher Faktor erweisen können oder auch nicht", erklärt Bennett. Ohne deutliches Umsatzwachstum, das in steigende Gewinne mündet, seien weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten nur dann möglich, wenn die Kurs-Gewinn-Verhältnisse deutlich steigen.

Volatilität könnte deutlich zunehmen
Kurzfristig betrachtet habe die Verunsicherung der Anleger in Europa weiter zugenommen und der Markt bleibt gespalten, während die Deflationsgefahr nach wie vor nicht gebannt ist. Im laufenden Jahr könnte die Volatilität an den Märkten deutlich zunehmen, warnt der Henderson-Experte. Anleger sollten sich auf schwierige Zeiten gefasst machen. "Genau aus diesem Grund finde ich eine sorgfältige Titelauswahl so wichtig", betont Bennett. "Indem wir die Stärken und Schwächen eines Unternehmens wirklich verstehen, können wir bessere Anlageentscheidungen treffen. Dies wird uns dabei helfen, in guten wie in schlechten Zeiten eine bessere Positionierung als der Gesamtmarkt erreichen zu können." (fp)