"Ich würde das Fondsmanagement nicht vorschnell abschreiben"
Achim Plate baut als Vorstandschef von Laiqon in Hamburg einen Asset Manager auf, in dem künstliche Intelligenz nicht nur als Buzzword auf Powerpoint-Folien steht. Im Interview mit FONDS professionell warnt er dennoch davor, das klassische Fondsgeschäft zu vernachlässigen.
Gut sieben Jahre ist es her, dass Investoren um Achim Plate bei Lloyd Fonds einstiegen – und das Geschäftsmodell auf links drehten: Einst eine Größe im Markt für Schiffsbeteiligungen, sollten sich die Hamburger fortan auf das Asset Management mit liquiden Anlageklassen wie Aktien und Anleihen konzentrieren.
Plate, seit Januar 2020 nicht mehr nur Aktionär, sondern auch Vorstandschef des mittlerweile in Laiqon umgetauften Unternehmens, baute drei Geschäftsbereiche auf: Die Asset-Management-Sparte verwaltet aktuell rund 7,8 Milliarden Euro in klassischen Publikumsfonds und institutionellen Mandaten. Das Wealth Management betreut etwa 1,7 Milliarden Euro für vermögende Privatkunden. Im Vergleich dazu ist der "Digital Wealth"-Bereich mit rund 0,8 Milliarden Euro noch klein.
Doch dieses Segment, in dem eine hauseigene KI namens "LAIC Advisor" Portfolios managt, gilt als Hoffnungs- und Wachstumsträger, nicht zuletzt wegen einer prestigeträchtigen Partnerschaft: Seit dem Herbst 2024 bietet Laiqon gemeinsam mit Union Investment für gehobene Privatkunden der Volks- und Raiffeisenbanken das Produkt "Wertanlage" an, eine KI-gesteuerte individualisierte Fonds-Vermögensverwaltung.
Mehr als zwei Milliarden Euro an Assets hinzugewonnen
Vor dem Hintergrund, dass dem Digitalgeschäft das größte Wachstum zugetraut wird, wirkt die jüngste Akquisition nicht wirklich konsequent: Im Juli hatte Laiqon einen Teil der Mainfirst-Gruppe übernommen. "Dass sich diese Möglichkeit bieten würde, hatte ich vor einem Jahr noch nicht geahnt", sagt Plate im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Ausgabe 4/2025 erschienen ist. "Den Deal haben wir dann binnen sechs Monaten verhandelt und umgesetzt. Um den Kaufpreis zu finanzieren, haben wir eine Anleihe über zehn Millionen Euro emittiert – und im Gegenzug ein tolles Team und mehr als zwei Milliarden Euro an Assets hinzugewonnen."
Plate zufolge widerspricht diese Akquisition nicht der langfristigen Ausrichtung des Asset Managers. "Es stimmt, dass Digital Wealth am stärksten wachsen wird. Aber von welchem Niveau aus? Das absolute Volumen der Publikumsfonds und Spezialmandate liegt um ein Vielfaches höher – branchenweit, aber auch bei uns", so Plate. Laiqon wolle beide Welten bedienen und auch in beiden wachsen. "Ich würde das Fondsmanagement nicht vorschnell abschreiben", betont er. "Digital Wealth ist sexy, da geht es auch um Trends wie KI und ETFs. Bis wir in diesem Segment den gleichen Deckungsbeitrag erzielen wie mit dem klassischen Geschäft, werden jedoch noch einige Jahre vergehen."
"Es fließt durchaus noch Geld in die 'alte Welt'"
Die Guidance der börsennotierten Gesellschaft sieht vor, dass das verwaltete Vermögen im "Digital Wealth"-Bereich 2028 etwa auf dem gleichen Niveau liegen wird wie im Asset Management. "Doch allein die Assets des früheren Mainfirst-Teams sind in den ersten beiden Monaten bei Laiqon um rund 200 Millionen Euro gewachsen", betont Plate. "Das zeigt, dass durchaus noch Geld in die 'alte Welt' fließt – vorausgesetzt, man bietet spezialisierte Produkte und eine gute Performance." (bm)
Das ausführliche Interview ist in FONDS professionell 4/2025 ab Seite 376 erschienen. Im Gespräch äußert sich Plate auch zur zuletzt enttäuschenden Entwicklung der Laiqon-Aktie, zur Kooperation mit Union Investment, zu den ETF-Plänen des Hauses und zum Vorhaben, den Vertrieb für die verschiedenen Teams und Tochtergesellschaften auf Konzernebene zu bündeln. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS










