Im Test: JP-Morgan-KI schlägt klassisches 60/40-Portfolio
JP Morgan testet KI-Systeme, die selbstständig zwischen Aktien und Anleihen umschichten. Erste Rückrechnungen fallen positiv aus. Die Bank warnt jedoch davor, aus historischen Simulationen eine dauerhafte Überlegenheit der Technologie abzuleiten.
JP Morgan Chase untersucht, ob künstliche Intelligenz (KI) nicht nur bei der Aktienauswahl oder beim Risikomanagement helfen, sondern auch selbst Kapital allokieren kann. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. Forscher der Bank entwickelten mehrere KI-gestützte Investment-Agenten, die je nach veränderten Marktbedingungen zwischen Aktien und Anleihen umschichten.
In Rückrechnungen über die vergangenen zwei Jahrzehnte übertraf das erfolgreichste System ein klassisches 60/40-Portfolio mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen um 0,7 Prozentpunkte pro Jahr. Gleichzeitig wies es eine geringere Volatilität auf und schnitt auch besser ab als das regelbasierte Marktregime-Modell von JP Morgan. Das berichten Strategen der Bank unter der Leitung von Thomas Salopek.
Ergebnisse beruhen auf Simulationen
Die Ergebnisse sind jedoch mit einer wichtigen Einschränkung verbunden: Sie beruhen auf historischen Simulationen und nicht auf realen Investments. JP Morgan warnt daher davor, sie als Beleg dafür zu verstehen, dass KI die Märkte dauerhaft übertreffen kann. Dennoch geben sie einen Ausblick auf die weitere Entwicklung, da der Boom des automatisierten Handels keine Anzeichen einer Abschwächung zeigt.
"Der KI-Agent kann mit einem Prozess ausgestattet werden, der ihn befähigt, unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen und dabei eine bessere Wertentwicklung als ein angemessener Vergleichsmaßstab zu erzielen", schrieben die Strategen in einer Mitteilung vom Donnerstag (9.7.). Sie bezeichneten die Arbeit als den ersten Versuch des Unternehmens, ein KI-System zur Identifizierung von Marktregimen zu entwickeln.
Nächste Phase der KI-Nutzung
Das Experiment bietet einen frühen Einblick in die nächste Phase der KI-Nutzung an der Wall Street. Banken integrieren seit zwei Jahren große Sprachmodelle in Analyse, Programmierung und interne Investmentwerkzeuge. Zunehmend prüfen sie, ob diese Systeme nicht nur Mitarbeiter unterstützen, sondern auch eine der folgenreichsten Entscheidungen der Branche übernehmen können: die Kapitalallokation über verschiedene Märkte hinweg.
Eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien wirft indes die Frage auf, was geschieht, wenn alle Marktteilnehmer auf ähnliche KI-Modelle für Anlageentscheidungen setzen. Die Technologie könnte Investoren zwar helfen, schneller und besser informiert zu sein. Forscher warnen aber, dass sie auch zu mehr "Crowded Trades" führen, Märkte leichter manipulierbar machen und Stressphasen verstärken könnte, wenn zu viele Unternehmen zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.
Warnung vor blindem Vertrauen
Auch die Strategen von JP Morgan räumten diese Risiken ein. Sie warnten nachdrücklich davor, "als In-Sample-Ergebnisse entstandene und übermäßig selbstbewusste Antworten der KI" unkritisch zu akzeptieren. "Agentenbasierte KI muss auf einem sorgfältig durchdachten Prozess der Vermögensallokation aufbauen, anstatt naiv anzunehmen, dass der Agent selbst die Quelle des Fachwissens sein kann." (mb/Bloomberg)




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