Zuerst waren nur Firmenkunden und Vermögende betroffen, inzwischen bitten Banken und Sparkassen zunehmend auch Privatleute mit herkömmlichem Geldbeutel zur Kasse: Immer häufiger reichen Kreditinstitute die negativen Einlagenzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an Privatsparer weiter. Vor knapp sechs Monaten hat die Notenbank ihren Einlagenzinssatz auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Seitdem ist die Zahl der Banken, die von einem Teil ihrer Privatkunden ein sogenanntes "Verwahrentgelt" verlangen, auf mindestens 61 gestiegen und hat sich damit mehr als vervierfacht.

Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung des Vergleichsportals Verivox, über die unter anderem der "Spiegel" berichtet. Demnach haben allein im noch jungen Jahr 2020 rund 35 Institute erstmals Negativzinsen für Tagesgeldkonten eingeführt, bei denen das Guthaben eine gewisse Grenze überschreitet. Sogar für gut gefüllte Girokonten müssen Bankkunden immer häufiger Strafzinsen zahlen – zum Unmut von Verbraucherschützern, die dieses Vorgehen der Banken gerichtlich prüfen lassen wollen.

Kreative Gebührenkonzepte
Ein "Verwahrentgelt" sei nur zulässig, wenn es explizit mit den Kunden vereinbart worden sei, erklärt Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber "Spiegel Online". Betroffene ruft sie dazu auf, die Verbraucherzentralen zu kontaktieren. Tatsächlich zeigen sich Geldhäuser kreativ darin, die Negativzinsen der EZB weiterzureichen. So führt Verivox weitere 22 Institute an, die zwar laut Medienberichten Strafzinsen von Kunden verlangen, diesen Sachverhalt aber nicht auf ihrer Homepage angeben. Sechs weitere Häuser verlangen neuerdings eine Gebühr für ehemals kostenlose Tagesgeldkonten – also ebenfalls eine Art Minuszins.

Die Zahl der Kreditinstitute, die Negativzinsen von Privatkunden verlangen, steigt damit auf rund 90 Häuser. Dazu gehören vor allem Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen, berichtet der "Stern". Ein Trost für alle, die ohnehin nicht viel Geld auf dem Konto haben: Der Freibetrag liegt bei vielen Instituten bei relativ hohen 100.000 Euro – zumindest vorerst. (fp)