Das Verbraucherministerium will die in die Kritik geratene Wohnimmobilienkreditrichtlinie nachbessern. Bei manchen Banken bestünden "Auslegungsunsicherheiten" bei der Kreditvergabe an ältere Menschen, räumt der parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) ein. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt". Die Institute würden "die neuen gesetzlichen Regelungen aus Gründen der Vorsicht sehr restriktiv auslegen." Insbesondere ältere Menschen und Familien hatten sich darüber beschwert, dass ihnen zunächst zugesagte Kredite schlussendlich verweigert worden seien.

Gemeinsam mit dem Finanzministerium will das Verbraucherministerium nun das Gesetz an einigen Punkten klarer fassen und entschärfen. Nach Informationen des "Handelsblatts" sollen Banken künftig Wertsteigerungen, etwa aufgrund von Renovierungen, bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit berücksichtigen. Ausdrücklich vom Gesetz ausnehmen will die Bundesregierung zudem sogenannte Immobilienverzehrkredite. Bei diesen bekommt der Kreditnehmer das Geld zu Lebzeiten ausbezahlt. Die Bank erhält als Sicherheit die Immobilie, die sie nach dem Tod des Schuldners nach Belieben verwerten kann.

Widerrufsjoker entschärfen
Weiterhin sollen die Banken mehr Klarheit erhalten, wie eine korrekte Kreditprüfung auszusehen hat, berichtet die Zeitung. Denn Kunden hatten mit der neuen Regel die Möglichkeit bekommen, die Bank bei Fehlern zu belangen und aus dem Darlehensvertrag auszusteigen. Im Falle eines Widerrufsjokers würden die Banken auf den Kosten sitzen bleiben. Aus Furcht vor möglichen Formfehlern hatten viele Geldhäuser daher Kreditanträge im Zweifelsfall eher abgelehnt.

Die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist seit März 2016 in Kraft und soll dafür sorgen, dass Verbraucher sich beim Hauskauf nicht hoffnungslos verschulden und Banken keine faulen Kredite anhäufen. In der Praxis hat das Gesetz aber dazu geführt, dass Banken höhere Anforderungen an die Kreditwürdigkeit stellen. Besonders Sparkassen aus dem süddeutschen Raum klagten über einen erheblichen Rückgang des Neugeschäfts. (ert)