Daniel Llano Manibardo ist zu Jahresbeginn vom Generalbevollmächtigten und Leiter Privatkundengeschäft zum Vorstand der ING in Deutschland aufgerückt. Der gebürtige Spanier begann seine Karriere 1997 bei J.P. Morgan in London. 2001 kam er zur ING, für die er zunächst in Spanien, dann in Rumänien arbeitete. Seit Februar 2018 ist er in Deutschland tätig.


Herr Llano Manibardo, die ING Deutschland kündigte im Februar an, in die Wertpapierberatung einzusteigen. Was hat das Institut als Direktbank zu diesem Schritt bewogen?

Daniel Llano Manibardo: Unsere Kunden. Bisher hatten wir kein passendes Angebot für diejenigen unter unseren vielen Sparkunden, die ihre Anlageentscheidungen nicht selbst treffen und auch nicht auf den Robo-Advisor setzen wollen. Gerade von diesen kommen aber viele Fragen, wie sie im Nullzinsumfeld mehr aus ihrem Geld machen können. Dieses Bedürfnis wollen wir bedienen. Kunden sollen Zugang zu einer digitalen Beratung bekommen, die zu einem späteren Zeitpunkt durch ein Beraterteam verstärkt werden soll.

Wann startet Ihr Anlageberaterteam?

Llano Manibardo: Wir planen, noch dieses Jahr mit unserem Angebot zu starten.

Mit wie vielen Beratern beginnen Sie? Und woher rekrutieren sie diese?

Llano Manibardo: Die genaue Anzahl zu Beginn steht noch nicht fest. Wenn wir sehen, dass das Volumen steigt, werden wir die Zahl der Berater erhöhen. Dazu werden wir Kolleginnen und Kollegen intern weiterbilden, aber auch auf dem Markt schauen.

Bringt die gegenwärtige Corona-Pandemie Ihren Zeitplan durcheinander?

Llano Manibardo: Wie andere Unternehmen stellt die Situation natürlich auch uns vor Herausforderungen. Aber aktuell meistern wir diese sehr gut. Dementsprechend planen wir derzeit nicht, die Einführung in diesem Jahr zu verschieben.

Über welche Medien erfolgt die zukünftige Wertpapierberatung?

Llano Manibardo: Digital oder bei Bedarf persönlich am Telefon beziehungsweise per Video mit einem Berater.

Zu welchen Produkten beraten Sie künftig? Bieten Sie beispielsweise auch eine Vermögensverwaltung an?

Llano Manibardo: Unsere Partnerschaft mit dem Online-Vermögensverwalter Scalable Capital läuft sehr erfolgreich. Deshalb gibt es für uns keinen Grund, eine eigene Vermögensverwaltung anzubieten. Unser Beratungsangebot richtet sich auch nicht an diejenigen, die eine Vermögensverwaltung wünschen. Wir wollen unseren Sparkunden dabei helfen, Anleger zu werden. Dafür brauchen wir sehr einfache Produkte, die wir unseren Kunden gut erklären können und die zu ihren Bedürfnissen passen. Unsere Kunden sollen langfristig, diversifiziert und kostenbewusst investieren können – und auf die Unterstützung durch den Menschen zurückgreifen können, wenn sie gebraucht wird.

Sie sprechen die Zusammenarbeit mit Scalable Capital an. Wie viel Geld von ING-Kunden betreut das Münchner Fintech mittlerweile?

Llano Manibardo: Anfang März 2020 waren es rund 1,3 Milliarden Euro. Die Zusammenarbeit läuft weiterhin sehr erfolgreich. Die Partnerschaft ist vermutlich eine der erfolgreichsten zwischen einer Bank und einem Fintech.

Derzeit kann man ab 5.000 Euro über Ihren Kooperationspartner Scalable Capital investieren. Denken Sie über eine Herabsetzung der Mindestanlagesumme nach?

Llano Manibardo: Wir haben den Mindestanlagebetrag erst letztes Jahr gesenkt, weil wir dort eine Nachfrage gesehen haben. Aktuell sehen wir keinen Bedarf, den Mindestbetrag weiter herabzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch. (mh)


Anm. d. Red.: Das Gespräch mit Daniel Llano Manibardo wurde im April 2020 geführt. Es ist Teil eines größeren Artikels in Ausgabe 2/2020, in dem die Redaktion analysiert, welche Direktbanken Wertpapierberatung anbieten (FONDS professionell 2/2020, Seite 372). Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.