Das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) wächst und setzt das aktive Management immer mehr unter Druck. Peter Scharl leitet seit Ende 2014 für den Blackrock-Ableger iShares den ETF-Vertrieb in Deutschland, Österreich und Osteuropa und erklärt, wie die Indexfolger in immer mehr Segmenten der Vermögensverwaltung zum Einsatz kommen.


Herr Scharl, börsengehandelte Indexfonds erleben auch in Europa einen großen Boom. Doch das Wachstum spielt sich bisher vor allem bei institutionellen Investoren und kaum bei Privatanlegern ab. Kaufen mittlerweile mehr als ein paar Selbstentscheider ETFs?

Peter Scharl: Bis vor wenigen Jahren war das Geschäft überwiegend von institutionellen Anlegern geprägt. Aber nun ist ein grundsätzlicher Wandel im Hinblick auf das Wealth- und Retail-Segment zu beobachten. Beispielsweise nutzen Dachfonds zunehmend ETFs, um vermögensverwaltende Komplettlösungen anzubieten. Auch im Private Banking sowie in der diskretionären Vermögensverwaltung finden ETFs zunehmend Anklang, weil sie eine transparente, kostengünstige und flexible Asset Allocation ermöglichen.

Wie stehen freie Finanzberater zu diesem Thema?

Scharl: Das Interesse freier Finanzberater an vermögensverwaltenden Portfoliolösungen auf ETF-Basis nimmt zu, weil sich der Dokumentationsaufwand somit optimieren lässt und Beratern mehr Zeit für die Kunden bleibt. Um Übersicht in den wachsenden Markt für Portfoliolösungen auf ETF-Basis zu bringen, haben wir die Plattform iShares Connect ins Leben gerufen. Sie bringt Anbieter, die ETFs in ihrer Produkthülle nutzen, und Berater, die sich für entsprechende Lösungen interessieren, zusammen. Die Palette reicht von Dachfonds über Vermögensverwaltungsmandate bis hin zu Versicherungsportfolios.

Aber am Bankschalter, dem Hauptvertriebskanal für Finanzprodukte in Deutschland, kommen ETFs doch immer noch nicht an.

Scharl: Das ändert sich momentan drastisch, da Banken zunehmend ihre Geschäftsmodelle ändern. Der Grund dafür sind die Neuerungen, die mit der Finanzmarktrichtlinie Mifid II in Kraft treten werden. Die Bankberatung bewegt sich weg von Provisions- hin zu Festpreis-Modellen. Der Kunde zahlt eine volumenabhängige Gebühr, erhält dafür eine Beratung, kann Produkte kaufen und bekommt die Provisionen ausgekehrt. Im Rahmen solcher Flat-Fee-Modelle ermöglichen ETFs mit ihren geringeren Gebühren, die Kosten auf der Anbieterseite zu optimieren und auf der Anlegerseite bessere Renditen nach Kosten zu erzielen. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass ETFs deshalb in diesen Modellen über die Zeit einen beträchtlichen Anteil am Gesamtportfolio ausmachen. Zahlreiche Banken in Deutschland stellen ihre Beratung derzeit schon jetzt auf solche Modelle  um.

Welche Rolle spielen die sogenannten Robo Advisor wie Scalable, Vaamo oder Whitebox?

Scharl: Der Vertrieb über solche Plattformen gewinnt an Bedeutung. Denn ETFs und digitale Vermögensverwaltungsangebote passen von ihrer DNA her ideal zusammen: Einfache Funktionsweise, geringe Kosten und hohe Transparenz sind hier wie dort der Anspruch. Daher sind wir im Hinblick auf mögliche Partnerschaften mit allen Beteiligten im Gespräch. Das gilt nach wie vor auch für Online-Banken, mit denen wir teilweise schon seit einigen Jahren zusammenarbeiten. Diese Kooperationen bauen wir kontinuierlich aus.

Wie sieht die Partnerschaft mit den Direktbanken aus?

Scharl: In einigen Fällen stellen wir zum Beispiel Inhalte und Marketingmaterial zur Verfügung, um gemeinsame Aktionen zu begleiten, in anderen liefern wir Ideen. Einige Anbieter stellen Flat-Fee- oder Free-Buy-Aktionen sehr stark in den Vordergrund. Teilweise werden solche Aktionen allein von den Online-Brokern gestemmt, teilweise mit Unterstützung der ETF-Anbieter. Vor allem das Sparplan-Geschäft mit ETFs wächst deutlich. Inzwischen fließen in Deutschland monatlich etwa 60 Millionen Euro allein über Direktbanken in ETF-Sparpläne. Die Anzahl der ETF-Sparpläne hat sich dabei in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht.

Vielen Dank für das Gespräch.


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