Das Filialsterben in der Bankenbranche dürfte sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen. Bis zum Jahr 2030 werden Banken und Sparkassen in Deutschland laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman wohl fast jede zweite Filiale dicht machen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), der die Ausarbeitung vorab exklusiv vorliegt. Dadurch würde die Zahl der Filialen von derzeit rund 29.700 auf 15.800 sinken. Der Abwärtstrend ist bereits seit Jahren zu beobachten. So unterhielten Banken und Sparkassen in Deutschland im Jahr 2008 noch insgesamt rund 41.700 Zweigstellen.

Weitere Schließungen sind die logische Folge der fortschreitenden Digitalisierung sowie des wachsenden Kostendrucks, erklärt Oliver-Wyman-Partner René Fischer in der FAZ. Noch immer hat Deutschland mit 3,6 Bankfilialen pro 10.000 Einwohner mit die höchste Filialdichte in Europa. In den nordeuropäischen Ländern kommen auf 10.000 Einwohner weniger als zwei Filialen.

Persönlicher Kontakt bleibt wichtig
Kreditinstitute sollten allerdings nicht überstürzt Zweigstellen schließen, warnt Fischer. "Die persönliche Beratung wird weiterhin notwendig sein in der Beziehung zwischen Kunde und Bank. Das gilt vor allem für komplexe Themen wie zum Beispiel Immobilienfinanzierungen", sagt er. In der Studie zogen 40 Prozent der Befragten in Betracht, die Bank zu wechseln, falls ihre Stammfiliale schließt.

Machen Geldhäuser zu viele Zweigstellen dicht und bauen nicht zugleich ihre digitalen Angebote aus, könnten ihnen die Kunden weglaufen. Zu den Services, bei denen sich Bankkunden nach wie vor gern persönlich beraten lassen, gehören zentrale Bankdienstleistungen wie Kreditanfragen, Kontoeröffnungen und die Altersvorsorge, zeigt eine Studie der Deutschen Bank. (fp)