Die Anzahl der Banken, die den Negativzins der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Einlagen an ihre Kunden weitergeben, hat 2017 deutlich zugenommen. "Zur weiteren Stabilisierung ihres Zinsergebnisses senkten die Kreditinstitute ihre Einlagenzinsen zunehmend auch in den negativen Bereich", schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht für September, der am Montag veröffentlicht wurde. Noch seien hiervon in erster Linie großvolumige Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft betroffen.

Die Bundesbank hat in ihrer Zinsstatistik die Daten von 223 inländischen Kreditinstituten ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Anteil der Institute, die Kunden negative Zinsen berechneten, von rund 26 Prozent im Januar 2017 auf gut 50 Prozent im Dezember beinahe verdoppelt hat. Das Volumen der negativ verzinsten Sichteinlagen stieg im selben Zeitraum um fast neun Prozentpunkte. Einlagen mit Minuszins machten damit etwas mehr als 40 Prozent aller gemeldeten Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft aus. Dabei lag fast die Hälfte der negativ verzinsten Summen bei sieben Banken des Groß- und Landesbankensektors. Gut ein Drittel verteilte sich auf 90 Institute des Sparkassen- und Genossenschaftssektors.

Minuszins auch für deutlich mehr Privatkunden
Auch Privatkunden müssen zunehmend negative Zinsen hinnehmen. Die Zahl der Kreditinstitute, die auf Einlagen privater Haushalte Minuszinsen erheben, ist im Jahresverlauf 2017 auf rund zwölf Prozent gewachsen – und hat sich damit nahezu vervierfacht. "Wie im Firmenkundengeschäft dürfte es sich dabei vornehmlich um großvolumige Sichteinlagen handeln", schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Sowohl gemessen an der Anzahl als auch am Volumen der Sichteinlagen waren es vor allem Sparkassen, die Sichteinlagen privater Haushalte negativ verzinsten, heißt es. (am)