Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) dürfte in Deutschlands Finanzindustrie zu einem spürbaren Rückgang der Beschäftigung führen. Davon sind viele Fach- und Führungskräfte aus der Branche überzeugt, zeigt eine Umfrage des Center for Financial Studies (CFS), einem an die Goethe-Universität Frankfurt angegliederten Forschungsinstitut.

Demnach erwarten etwa 55 Prozent der Befragten einen KI-bedingten Stellenabbau in der Finanzindustrie um fünf bis zehn Prozent der Belegschaft in den kommenden fünf Jahren. Gut 20 Prozent gehen sogar von einem noch stärkeren Rückgang um zehn bis 20 Prozent aus. Fast 15 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen ein hohes bis sehr hohes Risiko, dass der eigene Arbeitsplatz in den nächsten fünf Jahren durch KI verloren gehen könnte.

"Potenzial für noch intensivere Nutzung"
Dem CFS gegenüber gaben mehr als 88 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte aus dem Finanzsektor zu Protokoll, dass ihr Arbeitgeber bereits KI-Tools einsetzt. Bei rund 40 Prozent der Befragten erfolgt die Anwendung in den Kundenbereichen (Privatkunden, Firmenkunden), bei 30 bis 35 Prozent in zentralen Funktionen wie Risikomanagement, Personalwesen oder Legal/Compliance.

"Die Umfrage verdeutlicht, dass KI in der Finanzindustrie bereits heute stark verbreitet ist", sagt CFS-Geschäftsführer Volker Brühl. "Gleichzeitig besteht aber offenbar noch ein erhebliches Potenzial für eine noch intensivere Nutzung." Die Ängste um Arbeitsplätze seien so alt wie die technologische Entwicklung, erinnert Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatz-Lobby Frankfurt Main Finance, die die Umfrage finanziell unterstützt hat. "Dabei ist Kollege KI die perfekte Antwort auf die demografischen Herausforderungen und die wachsende Komplexität", meint Väth. (fp)