Als die Märkte im März abstürzten, flüchteten sich viele Anleger in liquide Mittel. In der Folge fielen nicht nur die Kurse von Aktien, sondern auch die von Staatsanleihen – obwohl bonitätsstarke Zinspapiere seit jeher als "sicherer Hafen" gelten. Trotz vermeintlich ausreichender Diversifikation verzeichneten Investoren mit einem breiten Aktien-Anleihen-Portfolio also auf beiden Seiten Verluste, konstatiert Tilmann Galler, leitender Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Er plädiert dafür, die Definition von "sicheren Häfen" breiter zu fassen.

Einerseits dürften klassische Krisen-Assets wie hochwertige Staatsanleihen, Gold und der Greenback weiterhin eine wichtige Rolle im Risikomanagement spielen, sagt Galler. Andererseits können aber alternative Anlagen das Risikoprofil des Portfolios ebenfalls verbessern. "Um widerstandsfähigere Portfolios aufzubauen, ist es sinnvoll, die Definition der 'sicheren Häfen' zu erweitern", sagt er. "Dabei gilt es jeweils die stabilisierenden Merkmale und Opportunitätskosten zu berücksichtigen, deren relative Bedeutung für den Anleger abzuwägen ist: liquide bleiben, stabile Erträge erhalten, von Marktverzerrungen opportunistisch profitieren."

Immobilien als Sicherheitsanker
Zu den möglichen neuen Krisen-Stars zählt Galler Immobilien aus dem Core-Segment. Sie bieten oft stabile, hochwertige Erträge und entschädigen damit für ihr großes Manko: ihren Mangel an Liquidität. Darüber hinaus weisen sie eine geringe Korrelation mit Aktien auf sowie eine vergleichsweise schwache Volatilität, erklärt der Experte. Ähnliche Merkmale sieht er in der Anlageklasse Infrastruktur gegeben. Darüber hinaus dürften Infrastruktur-Investments von der steigenden Nachfrage nach grünen Projekten profitieren, schätzt Galler. (fp)