Das US-Finanzministerium hat Journalisten mehrerer Medien von der Berichterstattung über das Gipfeltreffen der G20-Finanzminister in dieser Woche in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina ausgeschlossen. Dazu gehören "Bloomberg News" und das "Wall Street Journal".

Das Ministerium gab "Bloomberg" keine Erklärung für seine Entscheidung, zahlreiche Akkreditierungsanträge für das Treffen der Finanzminister und Zentralbankgouverneure abzulehnen. US-Finanzminister Scott Bessent sagte am Sonntag (30.8.) in einem Interview mit der "Associated Press", dies habe "nichts mit der Sichtweise zu tun".

Mehr als 200 Journalisten erwartet
Die USA haben 2026 die G20-Präsidentschaft inne. Das Finanzministerium kontrolliert den Zugang zum diesjährigen Treffen, das von Sonntag bis Dienstag dauert. Das Ministerium hatte zuvor mitgeteilt, es erwarte mehr als 200 Journalisten aus Dutzenden Ländern.

Die Märkte verfolgen Informationen von Bessent aufmerksam, nachdem er zur Stützung des Yen und des Anleihemarkts eingegriffen hat. Damit ist er einer der aktivistischsten US-Finanzminister der Geschichte.

Märkte verfolgen Bessent aufmerksam
Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen haben im August Mehrjahreshochs erreicht. Dazu trugen teilweise erneut aufgekommene Inflationssorgen und die steigende US-Staatsverschuldung bei, die in diesem Monat auf mehr als 40 Billionen Dollar gestiegen ist. Bessent steht zudem wegen seines Umgangs mit einer Kampagne unter Beobachtung, die den wirtschaftlichen Druck auf den Iran erhöhen soll. Dieser soll so zu Verhandlungen über ein Ende des von US-Präsident Donald Trump begonnenen Kriegs gezwungen werden.

Deutsches Finanzministerium interveniert
Das Finanzministerium verweigerte auch einem in den USA ansässigen Reporter der "New York Times" die Akkreditierung, wie die Zeitung berichtete. Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Ministeriumsvertretern setzte sich das deutsche Finanzministerium erfolgreich beim US-Finanzministerium dafür ein, einen "Times"-Reporter zu akkreditieren, der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil begleitet.

Ein separater Vorstoß deutscher Vertreter auf hoher diplomatischer Ebene blieb dagegen erfolglos. Sie wollten eine Akkreditierung für einen mit Klingbeil reisenden "Bloomberg"-Reporter erreichen, fügten die Ministeriumsvertreter hinzu. Auch anderen "Bloomberg"-Reportern mit Sitz in den USA, Frankreich, Italien, Japan und China wurde der Zugang verweigert.

"Bloomberg" kritisiert Einschränkung der Medienfreiheit
"Die Verweigerung des Zugangs zum Treffen der G20-Finanzminister und Zentralbankgouverneure – einem Forum, das zweifellos dem globalen öffentlichen Interesse dient – untergräbt die Medienfreiheit und die öffentliche Rechenschaftspflicht", sagte ein Sprecher von "Bloomberg News". "Wir werden uns weiterhin für uneingeschränkten Pressezugang einsetzen und zugleich fair und akkurat über die Vorgänge berichten."

Der Ausschluss mehrerer großer Nachrichtenmedien von einer solchen internationalen Veranstaltung hat in Ländern, die zuvor G20-Treffen ausgerichtet haben – darunter auch Russland und China – kaum einen Präzedenzfall. Für die US-Regierung ist ein solcher Ausschluss beispiellos.

"New York Times" spricht von beunruhigendem Versuch
Die "New York Times" zitierte ihre Sprecherin Nicole Taylor mit den Worten, die Entscheidung sei "nicht nur ein weiterer beunruhigender Versuch der Regierung, unabhängigen Journalismus zu untergraben, sondern ein unverhohlener Versuch, sich der öffentlichen Kontrolle zu entziehen". Das "Wall Street Journal" reagierte nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme. (mb/Bloomberg)