In der Industrie arbeiten sie immer stärker vernetzt zusammen, in der Wohnung saugen sie Staub, im Garten mähen sie den Rasen. Und wer kennt ihn nicht, den kindsgroßen humanoiden Serviceroboter "Pepper" des japanischen Telekomkonzerns Softbank? Robotik und Künstliche Intelligenz halten Einzug in den Alltag der Menschen – entsprechende Fonds können sich lohnen. Warum das so ist und worauf Anleger achten sollten, erklärt Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters Huber, Reuss & Kollegen, im Interview mit FONDS professionell ONLINE.


Herr Roestel, seit General Motors im Jahr 1961 den ersten Industrieroboter eingesetzt hat, haben vollautomatische Maschinen immer mehr Einzug in die Produktion gehalten. In jüngster Zeit aber werden Roboter immer schlauer und können zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die bislang Menschen vorbehalten waren. Woran liegt das?

Adrian Roestel: Das haben wir der rasanten Entwicklung in zwei Bereichen zu verdanken – der modernen Sensorik und der Künstlichen Intelligenz, kurz KI. So haben die Fortschritte in der Sensorik zum Beispiel erst die sogenannten Cobots ermöglicht. Diese Roboter sind mit Sensoren ausgestattet und reagieren auf die Bewegungen und Positionen von Menschen. Damit können sie menschlichen Kollegen schweißtreibende Arbeiten abnehmen. Zudem hat sich die Fingerfertigkeit von Roboterarmen so stark verbessert, dass sie mittlerweile auch feinmotorische Tätigkeiten erledigen können. Dafür, dass die Entwicklung auf dem Gebiet der KI in jüngster Zeit so schnell vorangegangen ist, sind mehrere Faktoren verantwortlich.


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Welche sind das?

Roestel: Zum einen haben sich Rechen- und Speicherkapazitäten in den vergangenen Jahren enorm erhöht. Zum anderen stehen für Systeme, die auf Basis von künstlicher Intelligenz arbeiten, inzwischen extrem große Datenmengen zur Verfügung. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass 90 Prozent aller Daten weltweit allein in den vergangenen zwei Jahren produziert worden sind. Das unvorstellbare Volumen von 21 Milliarden Gigabyte soll sich Experten zufolge bis 2020 noch verdoppeln. Heute schon sind 75 Prozent aller Daten Videos und Bilder. Damit können etwa Maschinen, die Lebewesen oder Gegenstände klassifizieren sollen, viel besser "gefüttert" werden. Ein Roboter, der zum Beispiel Katzen erkennen soll, muss schließlich tausende von Katzen-Fotos vorgeführt bekommen, bevor er "weiß", wie die Tiere aussehen. Ab 2020 könnte zudem der neue Mobilfunkstandard 5G für weitere Impulse sorgen. Mit dem Ausbau des Datenkorridors wird der Transport von Informationen deutlich schneller. Und ein schneller Datentransport ist entscheidend dafür, dass Industrieroboter gut zusammenarbeiten.

Wie stark wächst denn Markt für Künstliche Intelligenz?

Roestel: Der KI-Markt ist über viele Industrien verteilt, daher unterscheiden sich die Prognosen im Detail je nach Abgrenzung des Marktes. Insgesamt wird in die Künstliche Intelligenz derzeit aber sehr viel investiert. US-Marktforschungsinstitute wie Forrester oder Gartner beziffern das Marktwachstum auf 50 bis 60 Prozent innerhalb der nächsten drei bis acht Jahre. In den USA ist der Trend bereits deutlich zu erkennen. Ende 2016 haben dort 38 Prozent aller Unternehmen Künstliche Intelligenz für einzelne Prozesse genutzt, aktuell sind es mehr als die Hälfte. 

Angesichts solcher Zahlen müssten Robotik und KI echte Chancen für Anleger bieten.

Roestel: Als Investmentthemen entwickeln sich diese Bereiche gerade sehr stark. In so einer frühen Phase ist aber noch gar nicht absehbar, welche Unternehmen sich wirklich am Markt durchsetzen werden. Bei den großen Playern, die KI nutzen, etwa Apple, Amazon oder Facebook, stellt sich diese Frage nicht. Ebenso wenig bei den führenden Roboterherstellern wie ABB oder dem japanischen Elektronik- und Maschinenbauunternehmen Fanuc. Es sind aber auch sehr viele kleinere Unternehmen am Markt. Daher sind eher Fonds mit einem möglichst breiten Investmentansatz empfehlenswert. Eines steht fest: Künstliche Intelligenz wird unser Leben in den kommenden zehn bis 15 Jahren komplett umkrempeln.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Bericht über Robotik- und KI-Fonds finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2018 von FONDS professionell, die Ende November erschienen ist. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Artikel auch ab Seite 108 im E-Magazin lesen.