Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn Projekte sich verzögern. Jürgen Dauzenroth muss heute kaum noch Beratungsdokumente erstellen, hat mehr Freizeit – und das bei fast verdoppelten Erträgen im Fondsgeschäft. Nicht zuletzt hat der Inhaber des Büros Finanzmanagement Jürgen Dauzenroth in Fulda diese Veränderungen der Berliner Politik zu verdanken, die mit der neuen Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) lange Zeit nicht vom Fleck kam.

"Eigentlich sollte die Verordnung Ende 2017 vorliegen, aber der Termin wurde ja nicht gehalten", erinnert sich Dauzenroth. So wussten Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) wie er nicht, was nach dem Start von Mifid II auf sie zukommen würde. Dauzenroth befürchtete in erster Linie, deutlich mehr Aufwand für die Beratungsdokumentation betreiben zu müssen. Daher kam er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss: Das war's jetzt mit Einzelfonds, ab 2018 werden Fonds-Vermögensverwaltungen vermittelt.

Viel Aufwand für wenig Geld
Jürgen Dauzenroth ist 55 Jahre alt, im Jahr 2003 hat er sich selbstständig gemacht. "Wenn ich früher einen Fonds im Depot eines Kunden gegen einen anderen austauschen wollte, dann habe ich ihn darüber informiert, ihm eine Verkaufs- und eine Kauforder gemailt, fertig", berichtet er. Doch schon seit dem Inkrafttreten der ersten FinVermV im Jahr 2013 geht das nicht mehr. "Und wenn ich 2000 Euro an ausgeschütteten Dividenden für einen Kunden wieder anlege, soll ich künftig neben Risikoaufklärung und Beratungsdokumentation auch noch Taping betreiben und jährliche Geeignetheitsprüfungen vornehmen?", fragt Dauzenroth. "Das alles für wenig Geld?"

Kommt nicht in Frage, entschied der Vermittler und machte sich im Herbst 2017 auf die Suche nach Fonds-Vermögensverwal­tungen. Fündig wurde er bei der Augsburger Aktienbank. Dort lernte er die Produkte der Rheinischen Portfolio Management aus Köln kennen, die er heute überwiegend vermittelt. Nach und nach stellte er die Depots seiner Kunden um, die letzten hat Dauzenroth zum 31. Dezember 2018 übertragen. Das Einzelfondsgeschäft hat er komplett eingestellt. "Die meisten Kunden haben gewechselt. Wer das nicht wollte, wird von mir eben nicht mehr betreut", sagt er. 

Nach Abschluss keine Pflichten mehr
Dauzenroth ist mit dem scharfen Cut sehr froh. "Bei Abschluss einer Fonds-Vermögensverwaltung eröffne ich für den Kunden sein Depot und wir schließen den Verwaltungsvertrag ab", sagt er. Dafür nimmt er wie bei der Vermittlung von Einzelfonds eine Geeignetheitsprüfung vor, ordnet den Anleger der entsprechenden Risikoklasse und damit einer bestimmten Variante der Fonds-Vermögensverwaltung zu. Um alles Weitere kümmert sich der Vermögensverwalter. Dauzenroth hat nach Abschluss der Vertrags keinerlei Dokumentations- und Beratungspflichten mehr.

"Natürlich bleibe ich aber Ansprechpartner für meine Kunden", sagt er. Dafür erhält er ­einen Teil des Serviceentgelts, das die Anleger für die Vermögensverwaltung zahlen. Das sei sehr lukrativ. "Bei der Einzelfondsvermittlung habe ich pro Fonds zwischen null und 0,5 Prozent jährlich verdient", sagt Dauzenroth. Das Betreuungsentgelt, das er heute bekommt, liegt pro Fonds-Vermögensverwaltung zwischen 0,3 und 0,9 Prozent. "Das ist fast doppelt so viel – und ich habe deutlich weniger Aufwand", freut sich der Vermittler. 

Viel mehr Freizeit
Auch seine Kunden seien sehr zufrieden. "Je nach Variante und Anbieter zahlen sie zwischen einem und zwei Prozent Serviceentgelt jährlich sowie eine kleine Transaktionspauschale, das ist alles", sagt Dauzenroth. Bisher hat er aus der Klientel nur positive Stimmen gehört. "Ich habe jetzt auch viel mehr Freizeit", berichtet er. "Und die nutze ich ausgiebig." (am)


Den Bericht darüber, warum und wie Jürgen Dauzenroth sich auf die Vermittlung von Fonds-Vermögensverwaltungen umgestellt hat, finden Sie auch in der Heftausgabe 3/2019 von FONDS professionell auf Seite 306. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Artikel auch hier im E-Magazin lesen.