Der Pariser Asset Manager La Française hegt nach der Übernahme der Veritas-Gruppe große Wachstumspläne in Deutschland. "Wir sehen hier große Expansionschancen", sagt Patrick Rivière, seit 2008 Chef des Pariser Vermögensverwalters, im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der soeben veröffentlichten Ausgabe 2/2019 erschienen ist.

Rivière zufolge war sein Haus bislang beispielsweise recht zurückhaltend, wenn es darum geht, Immobilien an institutionelle Kunden aus Deutschland zu verkaufen. Hier liege viel Potenzial. "Auch unser Wholesale-Geschäft hierzulande ist relativ klein, und wir sehen gute Möglichkeiten, das erheblich auszubauen", so Rivière. "Wenn wir in Deutschland unter dem Strich eine Milliarde Euro pro Jahr akquirieren würden, wäre das ein guter Wert."

"Sehr spezifisch auf den deutschen Markt ausgerichtet"
In den vergangenen vier Jahren sei es dem Unternehmen gelungen, konzernweit netto jeweils fünf bis sechs Milliarden Euro einzuwerben. Rivière: "Wenn 20 Prozent davon künftig aus Deutschland kämen, wäre das sehr zufriedenstellend." Aktuell stehen Kunden aus Deutschland bei La Française für zwölf Prozent des verwalteten Vermögens, das weltweit rund 66 Milliarden Euro beträgt.

Rivière betont, dass La Française bis dato nur mit einem Immobilienteam und einer kleinen Vertriebseinheit in Deutschland präsent war. "Nun haben wir eine komplette Infrastruktur hier, mit eigenem Investmentteam, Vertrieb und Marketing – alles sehr spezifisch auf den deutschen Markt ausgerichtet. Es gibt quasi keine Überschneidungen mit unserem bisherigen Geschäft." Sein erstes Fazit ein halbes Jahr nach der Übernahme: "Veritas passt perfekt zu uns."

Hamburg bleibt eigenständig, Frankfurt wird integriert
Veritas ist kein ganz einfaches Gebilde: Veritas Investment in Frankfurt hat sich auf Retail-Produkte konzentriert, Veritas Institutional in Hamburg auf institutionelle Kunden. Diese Komplexität hat La Française jedoch nicht abgeschreckt. "Unseren Bedürfnissen kam diese Aufstellung sehr entgegen, weil wir uns in beiden Bereichen verstärken wollten", sagt Rivière.

Veritas Institutional habe sich auf quantitative Multi-Asset-Lösungen mit einem ausgefeilten Risikomanagement spezialisiert. "Diese Expertise fehlte uns bislang, sie ergänzt unser Geschäft hervorragend." Bei Veritas Institutional werde sich daher kaum etwas ändern, die Mitarbeiter in Hamburg sollen ihren bisherigen Fokus beibehalten. "Neu wird nur sein, dass wir dieses Know-how in andere Länder exportieren. Wir arbeiten gerade daran, die Multi-Asset-Expertise aus Hamburg weltweit zugänglich zu machen", berichtet Rivière. "So dient die Übernahme nicht nur dazu, Kunden in Deutschland zu akquirieren, sondern sie hilft uns auch dabei, Mandate anderswo zu gewinnen."

Der Frankfurter Standort dagegen wird vollständig in La Française integriert. "Wir werden einige unserer französischen und Luxemburger Fonds auch hier in Deutschland vertreiben. Umgekehrt möchten wir einzelne Veritas-Fonds auch international anbieten." Als Beispiel nennt Rivière den Ve-RI Listed Infrastructure. "Dieser Aktienfonds passt gut zur Sachwerte-Expertise von La Française." Insgesamt schrumpft die Palette der Veritas-Publikumsfonds aber – von elf auf neun (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Umfirmierung der deutschen Retail-Sparte
Rivière äußert sich auch zur Markenstrategie: "Wir sind überzeugt davon, dass die Marke Veritas in Deutschland hauptsächlich für quantitative Multi-Asset-Strategien steht. Diese Reputation möchten wir nutzen, also werden wir unsere Produkte in diesem Bereich entsprechend benennen." Daher wird auch Veritas Institutional in Hamburg weiterhin diesen Namen tragen. "Im Retail-Bereich dagegen wollen wir künftig La-Française-Fonds vertreiben. Daher ergibt es Sinn, auch das Unternehmen umzufirmieren", so Rivière. Seit Mitte März heißt Veritas Investment nun La Française Asset Management. (bm)


Im ausführlichen Interview in FONDS professionell 2/2019 ab Seite 282 äußert sich Patrick Rivière unter anderem auch zu wichtigen Personalien, zum großen Immobiliengeschäft des Asset Manager und zum Thema Impact Investing mit Aktienfonds. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.