Die Welt erringt im Kampf gegen das Coronavirus erste Etappensiege. Doch der Weg zurück in ein Leben ohne Lockdown ist noch weit. Das aber bedeutet, dass viele von uns noch wochenlang gezwungenermaßen dort arbeiten werden, wo sie wohnen. Und auch in der Nach-Corona-Ära, da sind sich Arbeitswirtschaftler und Personaler relativ einig, wird der Homeoffice-Aspekt wichtiger sein als zuvor. Horrorvision oder heimlicher Wunsch? Was das Thema beim Einzelnen auslöst, ist am Ende auch eine Typfrage.

Äußere Bedingungen zählen ebenso wie innere Werte
Wie gut oder schlecht man mit sich in der Rolle als Heimarbeiter zurechtfindet, hängt zunächst von einer Vielzahl äußerer, kaum beeinflussbarer Faktoren ab: Beispielsweise, wie groß der zur Verfügung stehende Platz des Heimbüros und wie ruhig es dort ist, ob die Technik mitspielt, welche Aufgaben zu verrichten und ob obendrein Kinder oder die eigenen Eltern zu betreuen sind. Doch auch die inneren Eigenschaften entscheiden darüber, ob Zuhause-Arbeitern regelmäßig die Decke auf den Kopf fällt oder sich ungeahnte Produktivität entfaltet.

Bei der Frage, ob eine Person eher zum "Homeofficer" taugt oder nicht, hilft ein Modell aus der angewandten Neurowissenschaft weiter: das sogenannte "Vier-Quadranten-Modell des Gehirns", auch "Herrmann Brain Dominance Instrument“ (HBDI) genannt. Vereinfacht gesagt zeigt es anhand von vier Kriterien, welchen Denkmustern arbeitende Menschen am liebsten folgen, wenn sie selbstbestimmt entscheiden können. Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) hat gemeinsam mit Team-Coaches sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeits- und Organisationspsychologie (SGAOP) und der Geschäftsleitung von HBDI das Modell der Denkstil-Präferenzen auf häufige Verhaltensweisen im Homeoffice übertragen.


Heraus kamen vier Archetypen, die sich mit der neuen Arbeitswelt mehr oder weniger gut arrangieren können. Welche das sind und was davon auf Sie zutreffen könnte, zeigt unsere Bilderstrecke oben.


Bierernst allerdings sollte man die Typisierung nicht nehmen. Alleine deshalb schon, weil kaum ein Mensch ausschließlich einem einzigen Denkschema folgt. Miriam Schirmer, Dozentin für Arbeitspsychologie an der Zürcher und der Nordwestschweizer Fachhochschule, warnt entsprechend vor einer Überinterpretation des HBDI-Modells.

Tatsächlich folgten ihrer Beobachtung zufolge nur fünf Prozent der Menschen einer einzelnen Präferenz. Die meisten kombinierten zwei oder mehr Profile. "Ob wir im Homeoffice gut arbeiten können, hängt außerdem maßgeblich davon ab, ob wir Techniken kennen, um uns selbst zu organisieren. Das hat man irgendwann gelernt – oder eben nicht“, wird die Expertin von der NZZ zitiert. (ps)