Makler: "Wer Möglichkeiten der Technik nicht nutzt, wird abgehängt"
Moderne IT-Tools können Vermittlern die Arbeit erheblich erleichtern – vorausgesetzt, man weiß sie geschickt einzusetzen. Auf den Göttinger Makler Josip Vrbic trifft das auf jeden Fall zu. Ein Porträt.
Der Weg von Maklern in die Selbstständigkeit verläuft nicht immer gerade. So mancher schlägt zunächst eine ganz andere berufliche Laufbahn ein, bevor er schließlich in der Vermittlerbranche landet. Oft erweisen sich die im ersten Arbeitsleben gewonnenen Fähigkeiten als sehr nützlich und führen zum Erfolg, wenn sie mit anderen Aspekten kombiniert werden, etwa einer gewissen Risikobereitschaft und dem Willen zur Innovation. Das trifft auf den Göttinger Versicherungsmakler Josip Vrbic zu, der in den vergangenen Jahren zunächst einen Bestand übernahm und sich nun mit IT-Hilfe eine neue Zielgruppe erschließt.
Zunächst absolvierte Vrbic, der kroatischer Abstammung ist und seit 1972 in Deutschland lebt, eine Ausbildung als Radio- und TV-Techniker und arbeitete in diesem Beruf auch einige Jahre. Im Jahr 2000 suchte er eine neue Herausforderung und machte eine zweijährige Fortbildung in Vollzeit zum staatlich geprüften Techniker für Computersysteme und Netzwerktechnik. Nach dem Abschluss zog es ihn aber in eine Vertriebsposition: Er hatte erkannt, dass ihm diese Arbeit Spaß bereitet. So stieg er 2003 bei der zur Ergo gehörenden Deutschen Krankenversicherung (DKV) ein und blieb bis 2015 im Ergo-Konzern.
Mehr als 2.000 Kunden
Einer der Gründe für den Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 2015 war, dass er den Bestand eines bekannten Maklers übernehmen wollte. Dafür gründeten beide 2016 zunächst gemeinsam eine GmbH & Co. KG, seit 2018 ist Vrbic alleiniger Geschäftsführer der "Finmenco Versicherungsmakler". Vrbic hat mittlerweile mehr als 2.000 vornehmlich private und einige gewerbliche Kunden, wobei rund die Hälfte aus dem übernommenen Bestand stammt. Dazu kommen Kunden aus zwei kleineren Beständen, die er gekauft hat, und seit rund vier Jahren Kunden aus dem ehemaligen Jugoslawien – dazu gleich mehr.
Neue Kunden, denen er zur Absicherung privater oder gewerblicher Risiken sowie Krankenversicherungen und Altersvorsorgeprodukten verhilft, gewinnt er regelmäßig über Google. "Bei der Suche mit den Begriffen 'Versicherungsmakler' 'Göttingen' oder 'BU' tauchen wir meist in den Top Five der Ergebnisse auf", berichtet er. Hinzu kommen Empfehlungen bestehender Kunden, oder die Bestandskunden schließen weitere Policen bei ihm ab – offenbar sind sie zufrieden. "Unser Credo ist klar: das bestmögliche Produkt zum bestmöglichen Preis – aber nicht um jeden Preis. Qualität steht bei uns an erster Stelle", erklärt Vrbic.
Digitalisierung als Geschäftsbasis
Wichtig im Tagesjob ist die Digitalisierung und Automatisierung der internen Arbeitsprozesse, die Vrbic als Technikspezialist nach Gründung der GmbH & Co. KG in Angriff nahm. Nur so kann er die Arbeit mit geringer Manpower schultern – mittlerweile beschäftigt er einen Auszubildenden, eine Teilzeitkraft und zwei Minijobber. 2018 schloss er sich dem Maklerpool Blau Direkt an, der sich die Automatisierung von Prozessen auf die Fahnen geschrieben hat. Deren Maklerverwaltungsprogramm "Ameise" hat er mit einem selbst entwickelten CRM-System ergänzt, das sämtliche Kundendaten strukturiert und datenschutzkonform erfasst.
Noch wichtiger wurde die IT bei der 2021 gestarteten Erweiterung seiner Kundenbasis auf Verbraucher, die erst kürzlich aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens nach Deutschland gekommen sind und Versicherungsschutz benötigen. "Diese Zielgruppe sprechen wir hauptsächlich über Social Media an, insbesondere über Instagram, Facebook und eigene Facebook-Gruppen. Dazu kommen Kooperationen mit Influencern und Autohändlern sowie gezieltes E-Mail-Marketing und auch Google."
Selbst entwickelte IT-Strecke
Für die Koordination der Marketingkanäle und die Verfolgung der daraus gewonnenen Leads setzt Vrbic auf eine selbst entwickelte IT-Strecke. Das Schlüsseltool ist "Superchat" – ein DSGVO-konformes Whatsapp-Tool aus Deutschland, das sämtliche Kundenkommunikation aus Whatsapp, Facebook Messenger, Instagram, E-Mail und SMS zentral bündelt. Durch die Integration mit "Make.com" und der Blau-Direkt-Schnittstellenanwendung "Qonekto" verbindet er die verschiedenen Anwendungen. "Dadurch gelingt es uns, über 90 Prozent des Tagesgeschäfts automatisiert und dennoch persönlich über Messenger-Dienste abzuwickeln."
Dass dieser Weg funktioniert, zeigen die Zahlen: Allein seit Februar 2024 sammelte Vrbic eigenen Angaben zufolge etwa 1.000 Leads ein. Sein Fazit: "Wer die Möglichkeiten der Technik nicht nutzt, wird abgehängt." (jb)
Das vollständige Porträt von Josip Vrbic finden Sie auf Seite 288 in der Ausgabe 2/2025 von FONDS professionell und auch hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).















