Die Kündigung eines Versicherungsvertrages kann für Kunden und Makler weitreichende Folgen haben, vom fehlenden Versicherungsschutz bis hin zu Haftungsfragen für den Makler. Als Sachwalter des Kunden muss der Makler diesen über anderweitige Möglichkeiten sowie Nachteile und Folgen einer Kündigung aufklären (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Wenn Kunden Beiträge schuldig bleiben, Beiträge reduzieren oder gar Verträge kündigen, haftet der Makler im Personengeschäft (LV, PKV und bAV) für alle Abschlusscourtagen, die noch nicht vollständig verdient sind. Angesichts der Haftungszeiten von bis zu acht Jahren ist das Risiko erheblicher Courtage-Rückforderungen durch die Versicherer bereits absehbar. Bei starker Übergewichtung dieser Geschäftszweige und überproportional betroffener Kundenbestände von der Corona-Krise, etwa durch Kurzarbeit, sind Insolvenzen dieser Maklerbetriebe zu befürchten.

Konkrete Zahlen dazu gibt es nicht, doch mit im Boot sitzen die Pools, denen ebenfalls empfindliche Umsatzeinbrüche drohen. Daher wollten wir wissen, ob und wie ausgewählte Pools auf dieses Szenario vorbereitet sind. 

Maxpool: Stundung von Courtage-Rückforderungen
Am weitesten scheint im Moment Maxpool zu gehen, wo Partnermakler im Bedarfsfall durch ein internes Stundungsprogramm finanziell unterstützt werden. "Das ist keinesfalls in Konkurrenz oder als Ersatz für allgemeine staatliche Hilfestellungen oder Kreditprogramme der KfW zu verstehen", sagt Oliver Drewes, Vorstandschef der Phönix-Maxpool-Gruppe.

Mit dem Stundungsprogramm will man ausdrücklich nicht Umsatzrückgänge der Maklerbetriebe kompensieren. "Wir decken gezielt das separat drohende Risiko ab, falls bereits vermitteltes Geschäft von Kunden nicht mehr voll oder gar nicht mehr mit Beiträgen bedient wird und Versicherer deswegen Courtagen zurückfordern", erklärt Drewes. Aktuell verzeichne man nach wie vor stabile und derzeit sogar sehr gute Umsätze, und es lägen auch noch keine relevanten Stornierungen vor. In Summe könnte auf Maklerfirmen in den kommenden Monaten aber womöglich eine doppelte Last aus sinkenden Umsätzen und ansteigenden Stornierungskosten zukommen, die "vielfach nur schwer aus eigener Kraft zu schultern ist", befürchtet Drewes.

Besicherung mit angemessenem Sachbestand
Maxpool betont, dass es sich bei dem Stundungsprogramm um keine Kreditvergabe handelt, die bekanntlich Banken vorbehalten ist. Vielmehr werde eigenes Kapital eingesetzt – "bei Bedarf eine siebenstellige Summe". Das Geld werde nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern nach Einzelfallprüfung. Zudem arbeite man mit risikogerechten Zinssätzen und prüfe die qualitativen Hintergründe zu den vorliegenden Vertragsstornierungen. "Aber im Gegensatz zu einer Hausbank, die rein auf die gesamte Leistungsfähigkeit und den tatsächlichen letzten Jahresgewinn eines Maklerbetriebes blickt, stellt Maxpool auf die hausinternen Erfahrungen der Zusammenarbeit und auf das Verhältnis zu dem vorliegenden Sachversicherungsbestand des Maklers bei dem Pool ab", erklärt Drewes.

Man gestalte die Rückzahlung der Salden nach Maklerwunsch vollkommen flexibel, mit frei wählbarer Laufzeit von mehreren Jahren und einer Begleichung des Saldos über monatliche Raten oder durch eine prozentuale Kürzung der Vergütungssätze der kommenden Abrechnungen. Kooperationspartner könnten sich bei Bedarf an ihren Maxpool-Maklerbetreuer wenden. "Wir werden jede Anfrage innerhalb von maximal drei Werktagen bearbeiten, sofern alle nötigen Unterlagen vorliegen", sichert Drewes zu.

Fonds Finanz: Makler als Krisenmanager unterstützen
Der größte Maklerpool Fonds Finanz hat sich bisher nicht zu eigenen Liquiditätshilfen für seine Partnermakler entschlossen. Auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE hieß es lediglich, man stelle auf der Firmen-Website "alle verfügbaren Informationen von Seiten der Gesellschaften und von unserer Seite zu den Themen Storni und Sonderregelungen für die jeweilige Sparte transparent zur Verfügung".

Dort wird auf Sonderregelungen einzelner Versicherer (derzeit Allianz, WWK, Gothaer, Stuttgarter, Die Bayerische, Swiss Life, Signal Iduna und Zurich) zur Verrechnung von Storni verwiesen. "Fonds Finanz prüft auf Antrag (abrechnung@fondsfinanz.de) eine individuelle Sonderregelung bezüglich Ihrer Saldenrückführung, um Sie in der Corona-Krise zu unterstützen", heißt es. Gleichwohl werden Storni von Fonds Finanz grundsätzlich regulär belastet, da es nicht sinnvoll sei, künstlich Schulden aufzubauen.

Stornosonderregelungen der einzelnen Versicherer betreffen laut Fonds Finanz zudem nur jene Storni, die bis zum 30. Juni 2020 erfolgen (Signal Iduna bis 1. Juni 2020, Stuttgarter und Swiss Life bis 31. Juli 2020). Ausnahme: Die Bayerische belastet die Storni noch bis Anfang 2021 mit einer Verzögerung von zwölf Monaten.

BCA: Individuelle Hilfe im Ernstfall
Auch der Maklerpool BCA verweist primär auf Kulanzregelungen der Versicherer für Endkunden, die aufgrund der Corona-Folgen kurzfristig in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. "Hierbei sind die Maßnahmen beziehungsweise Angebote grundsätzlich sehr different", sagt Dirk Kober, Leiter Versicherungen bei BCA, und verweist auf die eigene Website, die permanent aktualisiert werde. Die Monatsbeiträge werden von den Versicherern über mehrere Monate gestundet (ohne Gebühren oder Zinsbelastung). "Positiv für den Vermittler: Eine Rückbelastung der Vergütung erfolgt in diesem Fall nicht", erklärt Kober. Das passiere jedoch, wenn der Kunde die Beiträge später nicht voll nachzahlt.

Eigene Liquiditätshilfen für Makler, denen deswegen Rückforderungen für noch nicht voll verdiente Abschlusscourtagen drohen, bietet BCA derzeit nicht an. "Bisher stellt das Gros unserer Maklerpartner noch keine Zahlungsschwierigkeiten bei ihren Kunden aufgrund der Corona-Krise fest", sagt Kober. BCA unterstütze betroffene Vermittler "je nach vorhandenem Geschäftsmodell individuell und maßgeschneidert". Da man über einen sehr guten Draht zu vielen Versicherern verfüge, könne man zum Wohle des betroffenen Maklers an dieser Stelle vermitteln, verspricht Kober.

Blau Direkt: Betriebswirtschaftliche Stärkung statt Liquiditätshilfen
Makler, die im Schnitt bis zu 40 Prozent ihrer Einnahmen in LV und PKV verlieren, müssten gleichzeitig bis zu 30 Prozent eines Jahresumsatzes an Stornogebühren zurückzahlen, schätzt Oliver Pradetto, Geschäftsführer von Blau Direkt. Makler könnten über Blau Direkt und dessen Partner-Maklerpool Wifo eine Stornoversicherung für ihre LV-Bestände abschließen. Mit vielen Lebensversicherern habe der Pool zudem im Stornofall moderate Auffanglösungen vereinbart. Normalerweise wird bei einer Beitragsstundung die diskontiert ausgezahlte Courtage als Storno belastet und erst wieder gutgeschrieben, wenn der Vertrag reaktiviert wird. Diese Belastung setzen die Versicherer vorerst aus.

"Von 35 größeren Lebensversicherern, mit denen Blau Direkt kooperiert, haben 32 sich zu dieser Maßnahme entschieden", sagt Pradetto und fügt hinzu: "Wir sehen das kritisch." Viele Versicherer hätten diese Zusage vollmundig gemacht, ohne überhaupt zu wissen, wie die entsprechenden Prozesse dahinter ablaufen sollen. Pradetto beschreibt dies so:

  • Einige Versicherer informieren über das Storno und datieren die Belastung in die Zukunft.
  • Andere buchen das normale Storno erst im Zuge ihres Standardprozesses durch und schreiben die stornierte Courtage danach gleich wieder manuell gut. Für die spätere Endabrechnung machen sie sich dann quasi einen "Knoten ins Taschentuch".
  • Es gibt aber auch Fälle, bei denen einfach gar nichts gebucht und entsprechend nicht informiert wird. Viele Verträge sind wohlmöglich bereits "tot", aber der Makler erfährt hiervon nichts. Er weiß also weder, welche Verträge seiner Kunden noch bedient werden, noch für welche ihn eine Stornobelastung zum Jahresende erwartet. "Das ist ein Damoklesschwert für jeden Maklerbetrieb", so Pradetto.

Wie die Kosten im Maklerbüro beherrschbar bleiben sollen
Blau Direkt bietet keine Liquiditätshilfen für Makler an. Dies sei kaum zu finanzieren. Stattdessen tue man alles, damit der Makler auch im Home-Office unbegrenzt weiterarbeiten kann und dabei vollen Datenzugriff und volle Arbeitsfähigkeit hat. "So kann er ohne Einschränkung online verkaufen und verwalten und erreicht trotz Krise mehr Kunden als zuvor", hofft Pradetto.

Zudem erspare Blau Direkt dem Makler bis zu 90 Prozent der Kosten seines Innendienstes, wenn er sich vom Pool automatisiert die Arbeitsprozesse abnehmen lässt, für die bislang Maklerbüro und Belegschaft vorzuhalten sind. "Damit bleibt der Maklerbetrieb sogar ertragreich, wenn sein Umsatz einbricht", meint Pradetto. Zum dritten würden Makler mit Instrumenten zur Kundenbindung und Neukundengewinnung versorgt. "Damit bauen wir bestehende Maklerbestände binnen eines Jahres um bis zu 60 Prozent aus", verspricht Pradetto.

Zur Kundenansprache in der Krise genügen mitunter auch einfache Hilfsmittel. So hat Maxpool eine Vorlage für einen Kundenbrief zur Verfügung gestellt – im Anhang mit einem "Merkblatt: Häufig gestellte Fragen zum Thema der Corona-Pandemie". (dpo)