Medien: Gesetzliche Rentenbeiträge sollen stark steigen
Ab 2028 sollen die Beiträge für die gesetzliche Rente steigen. Die Gründe dafür sind vielfältig – unter anderem die demografische Entwicklung, aber auch die schlechte Wirtschaftslage und politische Entscheidungen.
Der Beitrag für die gesetzliche Rentenversicherung könnte stärker steigen als bisher erwartet. Nach einer neuen Prognose der Deutschen Rentenversicherung (DRV) steigt der Beitragssatz, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte tragen, im Jahr 2028 auf 19,9 Prozent statt wie noch im Herbst 2025 kalkuliert auf 19,8 Prozent. Bis dahin würde der Beitragssatz bei den aktuell geltenden 18,6 Prozent bleiben. Das berichtet das "Handelsblatt", dem die Berechnungen der DRV vorliegen. Bis 2035 soll der Beitrag nach der neuen Prognose auf 20,9 Prozent, im Jahr 2040 dann auf 21,1 Prozent steigen.
Für Beitragszahler mit Durchschnittseinkommen bedeutet das nach Berechnungen des Wirtschaftsweisen Martin Werding, die er der Wirtschaftszeitung zur Verfügung stellte, dass ihr Anteil am Rentenbeitrag – und damit auch der Arbeitgeberanteil – von 2027 auf 2028 um 510 Euro statt wie bisher erwartet um rund 480 Euro steigt. Pro Monat ergebe sich eine Steigerung von rund 42 statt 40 Euro, sagte Werding dem "Handelsblatt".
Gründe für die Anpassung
Warum müssen Beitragszahler ab 2028 derart mehr einzahlen? Die Finanzlage der Rentenkasse verschlechtert sich nicht schlagartig am 1. Januar 2028 und auch nicht erst im Laufe des Vorjahres, sondern schleichend, führt der Nachrichtensender "N-TV" dazu aus. Vor allem der boomende Arbeitsmarkt hatte der DRV über mehrere Jahre bis 2023 teilweise deutliche Überschüsse beschert, sodass die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage auf den Rekordwert von 45 Milliarden Euro anwuchs, was 1,7 Monatsausgaben der Rentenkasse entspricht. Diese günstigen Zeiten sind laut "N-TV" aber vorbei, schon seit 2024 muss die Rentenversicherung auf diese Rücklage zurückgreifen, um ihre Ausgaben zu decken. 2027 dürften nur noch knapp zwölf Milliarden Euro beziehungsweise 0,36 Monatsausgaben übrig sein.
2028 müsse das Schrumpfen der Nachhaltigkeitsreserve also gestoppt werden, so "N-TV" weiter. Dann trete auch eine neue Regelung in Kraft, der zufolge die Schwelle von 0,3 Monatsausgaben an Rücklagen nicht unterschritten werden darf. Dann muss der Beitrag erhöht werden: Einerseits, um die Reserve wieder aufzufüllen, andererseits, um die Lücke zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben auszugleichen. Die Lücke wächst derzeit gewaltig. In diesem Jahr rechnet die DRV noch mit einem Defizit von knapp vier Milliarden Euro. 2027 dürften es schon gut 20 Milliarden Euro sein, so der Nachrichtensender.
Schlechte Wirtschaftsentwicklung und Demografie
Gründe, warum die Ausgaben so viel schneller wachsen als die Einnahmen, gibt es viele. Einer ist die schlechte Wirtschaftsentwicklung, weshalb weniger Sozialversicherungspflichtige geringere Beiträge einzahlen. Zudem macht sich die Demografie bemerkbar. Dank zunehmender Beschäftigung und wachsender Erwerbsbeteiligung war die von Jahr zu Jahr steigende Zahl der Renteneintritte bis vor Kurzem nicht so stark ins Gewicht gefallen. Das ist inzwischen vorbei.
Vor allem aber steigen die Ausgaben der Rentenversicherung auch aufgrund politischer Beschlüsse stark an. Im vergangenen Jahr hatte die schwarz-rote Bundesregierung etwa die Ausweitung der Mütterrente beschlossen. Gleichzeitig sorgt die sogenannte Haltelinie für das Rentenniveau dafür, dass die Renten in den kommenden Jahren weiter im Gleichschritt mit der Lohnentwicklung steigen. (jb)















