Der Versicherungsvertrieb MEG zählte zu Spitzenzeiten gut 1.400 Mitarbeiter, die Versicherer erfreuten sich an dem regen Absatzkanal. MEG-Gründer Mehmet Göker wurde dank seines Verkaufstalents zum Multimillionär und schwelgte im Luxus. Doch sechs Jahre nach der Firmengründung machte das Unternehmen Pleite. Die Staatsanwaltschaft Kassel erließ einen Haftbefehl gegen Göker. Der floh in die Türkei. Im Frühjahr 2021 hob das Landgericht Kassel den Haftbefehl auf.

Nun droht dem Magazin "Wirtschaftswoche" (Wiwo) zufolge Göker in der Türkei aber Ärger. Der schillernde Vertriebler soll dort Anfang Juli "im Zusammenhang mit betrügerischen Immobiliendeals zulasten seiner Gläubiger" zu einer Haftstrafe sowie einer Geldstrafe verurteilt worden sein, berichtet das Magazin. Vom Verdacht einer Urkundenfälschung wurde er freigesprochen. Die "Wiwo" beruft sich dabei auf ein Urteil eines Gerichts in der türkischen Stadt Söke, das der Zeitschrift vorliege. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig.

"Ihr schreibt doch eh alle, was ihr wollt"
Göker bestreitet eine Verurteilung in der Türkei. "Also mir liegt nur ein Freispruch vor", erklärte er der "Wiwo" und sagte zu den Journalisten: "Ihr schreibt doch eh alle, was ihr wollt. Ihr seid alle Hurensöhne." Sein deutscher Anwalt lehnte gegenüber der "Wiwo" eine Stellungnahme zu dem möglichen Urteil in der Türkei ab und erklärte allgemein: "Herr Göker hat und hatte sich nichts vorzuwerfen."

Gökers Gesellschaft verkaufte private Krankenversicherungen. Der Vertrieb lief so gut, dass die Versicherungen der MEG die Prämien vorab als Vorschuss auszahlten, berichtet die "Wiwo" über die Hintergründe. Die Krankenkassen gingen davon aus, dass die Abschlüsse schon folgen würden. Das Geschäftsmodell zerfiel jedoch, als die selbstständigen Versicherungsvertreter fest angestellt werden mussten. Die Versicherungen forderten die vorab ausbezahlten Prämien zurück. Das Unternehmen ging in die Insolvenz. (ert)