Stuvenborner Straße 8 in 24643 Struvenhütten, Schleswig-Holstein: Hier steht die gemessen an der Bilanzsumme von 16,8 Millionen Euro kleinste Raiffeisenbank Deutschlands. Das Mini-Geldhaus muss all die neuen Regelungen, die die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und das Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz seit dem 3. Januar 2018 vorschreiben, genauso umsetzen wie große Institute, etwa am Finanzplatz Frankfurt. Das ist nicht so einfach.

"Die umfassenden Beratungsgespräche und die Dokumentation sind für uns ein Problem", sagt Vorstand Heinz-Eugen Behn. Schließlich zählt die kleine Raiffeisenbank nur drei Mitarbeiter, zwei davon sind gleichzeitig Vorstände, und eine Teilzeitkraft. "Wir überlegen daher gerade, ob wir das Wertpapiergeschäft ganz aufgeben", sagt Behn. Die Mehrarbeit, die seit Jahresbeginn anfalle, sei nur schwer zu stemmen.

Telefonberatung über Fonds aufgegeben
Die telefonische Beratung über Fonds haben die Struvenhüttener aufgrund der neuen Pflicht zum Taping, der Aufzeichnung der Gespräche also, im Januar bereits eingestellt. "Wir bräuchten dafür eine ganz neue Telefonanlage", erklärt Behn. Das rechnet sich für seine kleine Bank, die nicht einmal über einen Geldautomaten verfügt, einfach nicht. "Wenn Kunden Fonds kaufen oder ihr Depot umschichten möchten, müssen sie jetzt eben zu uns kommen", berichtet der Vorstand. Das sei nun einmal nicht zu ändern, und so weit seien die Wege in Stuvenhütten schließlich auch nicht.

Was Behn viel mehr ärgert, ist, dass er und seine Mitarbeiter seit Jahresanfang jeden Kunden, der Wertpapiere erwerben möchte, erst einmal umfangreich über alle Kosten und Risiken aufklären müssen, selbst wenn sie ihr Gegenüber seit Jahren kennen. "Und hier auf dem Land kennen wir uns natürlich alle gut", sagt Behn. Vor allem den Zielmarktagleich findet er enorm störend. Dieser könne sogar zu peinlichen Situationen führen. "Es ist mir wirklich unangenehm, wenn ich einem alten Bekannten sagen muss: 'Nein, dieses Papier bekommst Du nicht, das ist für Dich zu riskant'", erklärt der Vorstand.

Beim Autokauf prüft niemand das Risiko
Die Risikoprüfung vergleicht er mit einem Autokauf. "Wenn ein 18-Jähriger, der gerade seinen Führerschein gemacht hat, zum Autohändler kommt und einen Porsche kaufen will, was geschieht?", fragt Behn. Und er gibt gleich selbst die Antwort: "Kein Händler müsste erst einmal prüfen, ob der Wagen denn auch dem Risikoprofil des jungen Kunden passt, um dann festzustellen, dass er ihm den Porsche nicht verkaufen darf", sagt er. Dass dies bei Wertpapieren anders ist, findet er einfach ärgerlich. (am)


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