Ein Softwarefehler bei den Hardware-Wallets des kanadischen Herstellers Coinkite hat offenbar Tausende Bitcoin-Wallets kompromittiert. Nach Schätzungen von Galaxy Research wurden bislang rund 1.367 Bitcoin im Wert von etwa 86 Millionen US-Dollar (rund 75 Millionen Euro) aus mehr als 4.500 Wallets entwendet.

Betroffen sind sogenannte "Cold Wallets", bei denen die privaten Schlüssel offline gespeichert werden und die deshalb als besonders sichere Form der Verwahrung von Kryptowährungen gelten. Nach Angaben von Coinkite betrifft die Schwachstelle Wallets, deren Seed Phrase (die zur Wiederherstellung des Wallets benötigte Wortfolge) mit einer fehlerhaften Firmware erstellt wurde.

Fehler im Zufallszahlengenerator
Nach einem Bericht des Engineering-Teams von Block lag die Ursache in der Implementierung des Zufallszahlengenerators. Statt echter Zufallswerte wurden unter bestimmten Umständen deterministische Informationen wie die Seriennummer des Geräts zur Erzeugung der Seed Phrase herangezogen. Dadurch konnten Angreifer die privaten Schlüssel rekonstruieren und die Wallets leerräumen.

Coinkite hat den Fehler inzwischen bestätigt und nach eigenen Angaben korrigierte Firmware-Versionen für die betroffenen Geräte veröffentlicht.

Sicherheitsdebatte neu entfacht
Der Vorfall sorgt in der Kryptobranche für erhebliche Aufmerksamkeit. Zwar gelten Hardware-Wallets grundsätzlich als besonders sicher, weil sie nicht mit dem Internet verbunden sind. Der aktuelle Angriff zeigt jedoch, dass auch bei der Offline-Verwahrung Sicherheitsrisiken bestehen können, wenn grundlegende kryptografische Verfahren fehlerhaft umgesetzt werden.

Nach Angaben von TRM Labs belief sich der Wert der im ersten Halbjahr 2026 gestohlenen Kryptowährungen zwar auf 972 Millionen US-Dollar und lag damit deutlich unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig stieg die Zahl der Angriffe jedoch auf 207 und erreichte damit einen Höchststand für ein erstes Halbjahr. Infrastruktur- und Schlüsselkompromittierungen machten laut TRM Labs lediglich rund 15 Prozent der Vorfälle aus, verursachten jedoch 76 Prozent der gesamten Verluste. (cf/Bloomberg)