Knapp drei Wochen nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Einlagenzinsen von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent zu senken, haben verschiedene kleinere Geldinstitute ihre Negativzinsen auf Spareinlagen ebenfalls weiter ins Minus gedrückt. Andere haben nach dem EZB-Entschied sogar erstmals "Strafzinsen" eingeführt. Dies berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und bezieht dabei auf Erhebungen des Internetportals Verivox. Einige größere Institute würden "vorsorglich" schon einmal Möglichkeiten für Negativzinsen in neue Verträge einbauen, heißt es. Auch die Großbanken reagieren.

So hat die Raiffeisenbank im Oberland mit Sitz in Bad Tölz der FAZ zufolge erstmalig ein Verwahrentgelt von 0,4 Prozent eingeführt. Es wird auf Einlagen von einer Million Euro aufwärts fällig. Die Volks- und Raiffeisenbank Alzenau soll nun ebenfalls einen Negativzins in Höhe von 0,4 Prozent für sehr große Einlagen vorsehen, wie die Zeitung unter Bezugnahme auf die Angaben von Verivox weiter berichtet. Die Skatbank im thüringischen Altenburg hatte kurze Zeit zuvor mitgeteilt, sie werde ihren negativen Einlagenzins auf minus 0,5 Prozent drücken. Darüber hinaus senkt das Institut auch die Grenze, ab der der "Strafzins" gilt, und zwar von einer Million auf 100.000 Euro.

Stadtsparkasse München führt Verwahrgelt ein 
Unter den größeren Sparkassen gehört der FAZ zufolge die Stadtsparkasse München zu den Vorreitern in Sachen verschärfte "Verwahrentgelte". Das Institut habe beschlossen, für Kunden, die ein neues privates Giro- oder Cashkonto eröffnen, ab dem 1. Oktober 2019 eine Zusatzvereinbarung einzuführen. Diese soll es ermöglichen, zu einem späterem Zeitpunkt Verwahrentgelte auf solche Konten zu berechnen. Falls die EZB ihren negativen Einlagenzins weiter senken sollte oder Banken auf breiter Basis Verwahrentgelte einführen würden, will die Stadtsparkasse München mit der Berechnung dieses Entgelts beginnen.

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hingegen teilte auf Anfrage der FAZ mit, sie wolle die Weitergabe der Negativzinsen im breiten Privatkundengeschäft gern vermeiden. Wie lange dies aber noch möglich sei, hänge von der Niedrigzinspolitik der EZB ab. 

Die Sparkasse Rotenburg-Osterholz hatte schon Ende September als erste Sparkasse bundesweit ihren Negativzins auf Einlagen ab einer Million Euro von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Die Nassauische Sparkasse (Naspa), die seit Juli von Privatkunden ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,4 Prozent ab 500.000 Euro nimmt, habe noch nicht entschieden, ob sie ihren Negativzins weiter herunterschraubt, so die FAZ.

Höhere Bankgebühren statt Minuszins
Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke hatte vergangene Woche höhere Bankgebühren als Ersatz für Negativzinsen in Aussicht gestellt. Das bedeute allerdings nicht, dass die Bank das kostenlose Girokonto aufgebe. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte der FAZ, das Institut beobachte "sehr aufmerksam und fortlaufend" die Auswirkungen der negativen Marktzinsen auf die Kunden und die Bank. (am)