MLP feiert dieses Jahr runden Geburtstag. Vor 50 Jahren haben Eike Marschollek und Manfred Lautenschläger ihren Finanzvertrieb gegründet – Marschollek Lautenschläger und Partner, kurz MLP. Das Jubiläum muss Manfred Lautenschläger ohne Marschollek mit der aktuellen Belegschaft des börsennotierten Unternehmens begehen. Sein Partner verunglückte 1978 tödlich. In einem Interview, das die "Rhein-Neckar-Zeitung" mit dem Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg und dem Ehren-Aufsichtratsmitglied Lautenschläger führte, der immer noch einer der größten Aktionäre der Gesellschaft ist, blickt dieser zurück.

"Das war vor 50 Jahren in der Heidelberger Altstadt, in unserer Stammkneipe 'Destille'. Da saßen Eicke Marschollek und ich eines Abends beim Bier zusammen und beschlossen, uns selbstständig zu machen", erinnert sich Lautenschläger. "Wir haben dann unsere Fühler ausgestreckt zu diversen Versicherungsgesellschaften und sind gestartet. Marschollek hatte damals schon eine Vier-Zimmer-Wohnung, von der ein Zimmer unser Büro wurde."

Übernahmeversuch durch Carsten Maschmeyer
1988 erfolgte der Börsengang, wenige Jahre später dann der Aufstieg in den Leitindex Dax. 2003 musste die Aktie im Zuge massiver Kursverluste wegen behaupteter Falschbilanzierungen den Index wieder verlassen. "Wir gehörten damals zu den 30 Dax-Werten und waren stolz wie sonst was", erinnert sich Lautenschläger – und gibt sich selbstkritisch. Innenorganisatorisch sein man kein Dax-Unternehmen und insofern nicht wirklich bereit für die ganz große Bühne gewesen, was letztendlich zu der tiefgehenden Vertrauenskrise beigetragen habe. "Wie der damalige Vorstand mit den Vorwürfen umging, war der Sache und ihrer Tragweite überhaupt nicht angemessen."

Zur bewegten Börsengeschichte des Unternehmens gehört auch ein feindlicher Übernahmeversuch im Jahr 2008. Der damalige AWD-Vorstandschef Carsten Maschmeyer hatte 26,76 Prozent der MLP-Aktien erworben und an die Versicherungsgesellschaft Swiss Life übertragen. "Die Schweizer haben daraufhin das Gespräch mit mir gesucht und deutlich gemacht, was sie mit MLP vorhaben. Ich bin damals fast vom Stuhl gefallen, habe dem Verwaltungsratsvorsitzenden, der bei uns zu Gast war, aber klargemacht, dass die Unabhängigkeit unser Erfolgsrezept ist", zitiert die Zeitung Lautenschläger.

"MLP ist mein Lebenswerk"
Er betont weiter, dass er damals sehr reich geworden wäre, hätte er seine Anteile an MLP abgegeben. "Doch MLP ist mein Lebenswerk. Das werde ich nie versilbern – auch meine Familie nicht, die genau wie ich denkt. Ein Verkauf käme für mich nur in Frage, wenn MLP andernfalls untergehen würde", so der Gründer weiter. 

Auch wenn die Unternehmensgeschichte mitunter turbulent war, an einem hat MLP nichts geändert: Dem Kundenfokus auf Akademiker, zunächst nur Juristen: "Juristen haben schon immer ein gewisses Standesbewusstsein. Deshalb leuchteten bei einer Beratung von Jurist zu Jurist oft die Augen. Außerdem waren wir mit der Idee praktisch konkurrenzlos", erzählt Lautenschläger. "Heute sind wir bei MLP ja bekanntlich offen für alle Hochschulabsolventen, auch wenn es immer noch diesen Schwerpunkt in unserer Kundenklientel gibt." (jb)