Die Digitalisierung hat die Finanzbranche erreicht. Statt die Entwicklung zu ignorieren oder sich davor zu verstecken, sollten Berater und Vermögensverwalter diesen Trend nutzen, um Herausforderungen zu begegnen, meint Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer von MMD Analyse und Advisory. Das Haus hat sich auf die Beobachtung von Produkten mit vermögensverwaltendem Charakter spezialisiert. "Obwohl der Markt in Bewegung ist, können digitale Lösungen ihre Vorteile bereits ausspielen. Es bietet sich daher an, die Rolle des  Beobachters zu verlassen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen", sagt Erdmann.

Denn die Branche kämpft an mehreren Fronten. Die striktere Regulierung treibt den Aufwand und damit die Kosten einer maßgenschneiderten Finanzberatung in die Höhe. Viele Akteure versuchen dem zu begegnen, indem sie die Mindestvolumina hochsetzen und sich so auf profitables Geschäft konzentrieren.

Andere wiederum begrenzen ihr Angebot auf Standardlösungen, um die Kosten im Zaum und Haftungsrisiken gering zu halten. Demgegenüber steht aber das Interesse vieler Kunden an möglichst individuellen Finanzanlagen – und das zu einem günstigen Preis.

Drohende Abwanderung
Digitale Angebote können einen Ausweg bieten. So lässt sich die Vertragsanbahnung und die Risikoprüfung per Online-Anfrage einfach und regelkonform abwickeln. Auch die Portfoliosteuerung, die Überwachung und das Rebalancing sowie das Reporting lässt sich automatisieren – und damit günstiger, aber dennoch möglichst maßgenschneidert offerieren. Robo Advisor wie Scalable Capital, Vaamo oder Weadvise machen dies bereits vor. Einige stellen ihre Dienste als White-Label-Lösungen zur Verfügung, als Komplettangebot oder auch nur einzelne Elemente wie das Reporting oder das Onboarding. Auch die V-Bank arbeitet an einem Robo-Baukasten für Vermögensverwalter.

MMD-Geschäftsführer Erdmann verweist wiederum auf das Frankfurter Softwarehaus Fincite, das die Abläufe bei Vermögensverwaltern mit Hilfe von Technologie effizienter und besser gestalten möchte. "Wenn Kunden für dieselben Kosten weniger Individualität geboten bekommen, wandern sie zu passiven Lösungen ab", erläutert Fincite-Gründer und Geschäftsführer Ralf Heim seine Beweggründe.

Shop für VV-Strategien
Als weiteres Beispiel nennt Erdmann Fundamental Capital. Die Kölner verstehen sich als eine Art Shop für Vermögensverwaltungen. Anbieter stellen ihre Strategie auf der Plattform zur Verfügung, im Gegenzug erhalten sie einen eigens angepassten Robo, den sie in ihre Website einbinden können. "Wir zählen die von der Bafin regulierten Vermögensverwalter zu unseren potenziellen Kunden. Darüber hinaus können wir auch Vermittler nach Paragraph 34f anbinden", sagt Geschäftsführer Uwe Zimmer.

Auf den Anlageteil wiederum konzentriert sich Solidvest, die Online-Vermögensverwaltung von DJE Kapital. Dazu greift Solidvest auf ein sechzehnköpfiges Analystenteam zurück, das Aktien und Anleihen selbst prüft und Anlagestrategien entwickelt. Bei diesem Modell können sich die Vermittler auf den Service und den Kundenkontakt konzentrieren und müssen keine eigenen Investmentkonzepte entwickeln. "Der Berater kann einen Solidvest-Kunden individuell begleiten: bei Fragen zur gewählten Anlagestrategie oder im späteren Verlauf bei Fragen zur Performance des Depots", erläutert Sebastian Hasenack, Leiter Vertrieb und Kooperationen bei Solidvest.

Zeit sparen, Risiko minimieren
In welchen Bereichen es sich für Berater besonders anbietet, digitale Lösungen einzusetzen, lässt sich Erdmann zufolge nicht pauschal beantworten. Sowohl reine Investmentangebote als auch Komplettpakete nehmen Beratern administrative Aufgaben ab, sparen Zeit und senken Risiken, erläutert der Branchenkenner. "Jeder Berater muss am Ende selbst entscheiden, mit welchen Leistungen er bei seinen Kunden punkten will", so Erdmann von MMD, das den auf VV-Fonds spezialisierten Branchentreff Funds Excellence veranstaltet, bei dem es auch um die digitalen Angebote gehen soll. (fp)