Das Interesse an passiv gemanagten Indexfonds ist unverändert groß, Anleger haben im ersten Halbjahr 2020 jedoch auch aktiv gemanagten Portfolios – trotz bescheidener Erfolgsausweise während des Corona-Crashs – wieder für sich entdeckt. Dies geht aus dem Absatzbericht von Morningstar für Fonds in Europa per Ende Juni 2020 hervor. Demnach war bei den Nettomittelzuflüssen in aktiv verwaltete Aktienfonds sogar eine Trendumkehr zu verzeichnen.

"In einer bemerkenswerten Wende erreichten die Zuflüsse in aktiv verwaltete Aktienfonds im Juni ein 29-Monats-Hoch", schreibt Morningstar-Experte Ali Masarwah. Global anlegende Growth-Portfolios, Technologie-Fonds und Vehikel, die auf globale Standardwerte setzen, waren seiner Beobachtung zufolge besonders begehrt. Mischfonds profitierten von der hohen Nachfrage nach global anlegenden moderaten, aggressiven, defensiven und flexiblen Euro-Fonds.

Aktiv und passiv im Juni 2020
Insgesamt beliefen sich die Mittelzuflüsse in aktiv verwaltete Fonds (ohne Geldmarktfonds) im Juni 2020 auf 48 Milliarden Euro nach 41 Milliarden Euro im Mai. Die Zuflüsse in Indexfonds stiegen von 11,4 Milliarden Euro im Mai auf satte 15 Milliarden Euro im Juni. Der europaweite Marktanteil von Indexfonds erhöhte sich zum Halbjahr damit leicht auf 19,7 Prozent nach 19,6 Prozent per 31. Mai.

Und welche Kategorien konnten sich am besten behaupten? "Fonds für festverzinsliche Wertpapiere waren im Juni weiter von allen Fondsgattungen am stärksten nachgefragt", so Masarwah. Sie zogen Zuflüsse in Höhe von 37 Milliarden Euro an. Im gesamten zweiten Quartal beliefen sich die Netto-Neugelder auf 105 Milliarden Euro. Auch für das erste Halbjahr 2020 war die Absatzbilanz bei Rentenfonds mit 22 Milliarden Euro positiv. 

Mischfonds: Zurück zu alter Stärke
Aktienfonds nahmen im Juni netto 19 Milliarden Euro ein, im zweiten Quartal waren es 51. Damit konnten die Abflüsse in Höhe von 41 Milliarden Euroaus dem ersten Quartal vollständig kompensiert werden. Mischfonds zeigten im Juni eine Rückkehr zu alter Stärke und verzeichneten mit zehn Milliarden Euro den höchsten Absatz in einem Monat seit Februar 2018. 

"Dass Goldfonds für viele Anleger die Funktion eines sicheren Hafens einnehmen, zeigen die Rekordzuflüsse von 14 Milliarden Euro in Rohstofffonds im ersten Halbjahr", erklärt Masarwah. Allerdings verlangsamten sich die Zuflüsse im Juni merklich. Dies ist laut dem Morningstar-Experten ein klares Anzeichen dafür, dass die Angst vor einer scharfen globalen Rezession das Investment-Verhalten von Privatanlegern in jüngster Zeit nicht mehr ganz so entscheidend prägt.

Offene Immofonds schlagen sich wacker
Auch offene Immobilienfonds schlagen sich im Vertrieb weiterhin wacker. In Deutschland beheimatete Sondervermögen dieser Art erzielten nach den Zahlen von Morningstar im Juni die höchsten Zuflüsse unter allen europäischen Immobilien-Vehikeln. Diese Entwicklung lässt sich auch für das gesamte erste Halbjahr 2020 erkennen. Geldmarktfonds verzeichneten weiterhin eine hohe Nachfrage und verbuchten im Juni Mittelzuflüsse von 45 Milliarden Euro, im zweiten Quartal waren es 138 Milliarden Euro. Dies wertet Masarwah als Indikator dafür, dass einige Anleger vorsichtig gestimmt sind.  

"Insgesamt profitierte die europäische Fondsindustrie im Juni von der bemerkenswerten Aufwärtsbewegung der Märkte", schreibt der Experte. Das in langfristigen Fonds verwaltete Vermögen stieg nach seinem Halbjahresbericht von neun Billionen Euro per Ende Mai auf 9,197 Billionen Euro per 30. Juni. Geldmarktfonds mit eingerechnet kletterte das Vermögen im Berichtszeitraum von 10,385 Billionen auf 10,614 Billionen Euro. (am)