Die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut übt ihren Geschäftsbetrieb als Haftungsdach derzeit nicht aus. Ein Vertrauter des Unternehmens sagte gegenüber FONDS professionell, Konten seien gesperrt, es würden keine Provisionen ausgezahlt und auch Geschäfte von Vermittlern des Haftungsdaches könnten derzeit nicht weiterverarbeitet werden. Eine Sprecherin der Unternehmensgruppe bestätigte, dass die Konten von der Staatsanwaltschaft arretiert wurden, zu den weiteren Punkten verwies sie auf Sven Sonntag, einen der beiden Vorstände des Instituts. Dieser war am Montagvormittag für FONDS professionell nicht zu sprechen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen sechs Topmanager und Aufsichtsräte der Firmengruppe um Future Business (Fubus) und Infinus wegen des Verdachts auf Betrug und hatte vergangene Woche bei einer Großrazzia umfangreiches Beweismaterial gesichert. 25.000 Anleger sollen betroffen sein. Unter den Beschuldigten ist auch Jens P., neben Sonntag der zweite Vorstand des Finanzdienstleistungsinstituts und außerdem Aufsichtsrat der Future Business KGaA. Fubus hatte mit Orderschuldverschreibungen fast 600 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, die Ertragslage des Unternehmens falsch dargestellt zu haben.

Vertrackte Situation für gut 840 Infinus-Vermittler
Das Ruhen der Geschäftstätigkeit stellt für das Finanzinstitut ein besonderes Risiko dar: Die Finanzaufsicht BaFin kann einem Institut die Lizenz entziehen, wenn es sechs Monate lang den Geschäftsbetrieb nicht mehr ausübt, für den es die Erlaubnis einst erhalten hatte.

Die mehr als 840 ans Haftungsdach angeschlossenen Infinus-Vermittler stecken nun in einer vertrackten Situation: Ein Finanzberater, dessen Maklerpool Probleme bekommt, kann ohne Weiteres zur Konkurrenz wechseln – ein Haftungsdach-Vermittler jedoch ist an sein Institut gebunden und darf erst dann für ein anderes Haftungsdach tätig werden, wenn sein alter Vertrag beendet wurde. "Für den Fall, dass ein Haftungsdach tatsächlich keine Aufträge mehr annimmt oder keine Provisionen mehr ausschüttet, dürfte eine außerordentliche Kündigung des Vertrages gerechtfertigt sein", sagte Philipp Mertens, Partner der auf Vermittlerrecht spezialisierten Kanzlei BMS Rechtsanwälte aus Düsseldorf, gegenüber FONDS professionell.

Langjähriger Infinus-Vorstand arbeitete bei der Pleitebank BFI
Der ruhende Geschäftsbetrieb der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut zeigt, dass von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft auch Unternehmen betroffen sind, die zumindest nicht direkt mit dem Emissionshaus Future Business KGaA verbunden sind. Das Finanzdienstleistungsinstitut ist ein rechtlich selbständiges Unternehmen mit eigenem Vorstand. Über den Aufsichtsrat und die Aktionäre gab es allerdings Verbindungen zur nun unter Beschuss geratenen Fubus-Gruppe.

Die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut ist gemessen an der Zahl der Vermittler und den Provisionseinnahmen das mit Abstand größte Haftungsdach Deutschlands. Gegründet wurde das Institut 2002 wegen einer Gesetzesänderung: Weil die Fubus-Zinsprodukte künftig als Finanzinstrumente gelten sollten, die nur noch über ein Finanzinstitut verkauft werden durften, gründeten Vertraute von Fubus-Chef Jörg B. kurzerhand selbst ein Haftungsdach.

Pikanter Nebenaspekt: Der erste Vorstand des Infinus-Haftungsdaches, der vor wenigen Monaten nach schwerer Krankheit verstorben ist, war zuvor bis 2001 Vorstand der BFI Bank AG gewesen. Die BFI Bank hatte sich mit den Einlagen ihrer Sparer verzockt und musste 2003 auf Geheiß der BaFin ihren Geschäftsbetrieb einstellen. 2004 folgte der Insolvenzantrag, 2005 wurde der BFI-Gründer zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Auch der spätere Infinus-Vorstand wurde verklagt, der Prozess gegen ihn kam wegen seiner Krankheit aber nicht voran.

Fast nur Geschäft mit Fubus-Zinsprodukten
Wie stark das Infinus-Haftungsdach von den Produkten der Fubus-Gruppe abhängig ist, zeigt ein Blick in die Geschäftszahlen: Laut Jahresabschluss hat das Institut in dem im Juni 2012 beendeten Geschäftsjahr 2011/2012 Zinsprodukte von 382,5 Millionen Euro im Auftrag der Future-Business-Gruppe vermittelt. Investmentdepots bei den üblichen Fondsplattformen machten nur 5,8 Millionen Euro aus, dazu kam ein Volumen von 24,9 Millionen Euro bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

"Aus Risikogesichtspunkten ist es das Ziel des Instituts, bei den Provisionseinnahmen noch unabhängiger zu werden", heißt es im Jahresabschluss. "Gegenwärtig besteht noch eine erhebliche Abhängigkeit vom Produktgeber Future Business KGaA." Dieses Risiko ist nun Realität geworden. (bm)