Technologie-Milliardäre, Premier-League-Klubbesitzer und Erben alter europäischer Vermögen haben Großbritannien zuletzt wegen höherer Steuern verlassen. Nun versucht die britische Schatzkanzlerin im Stillen, diese Abwanderung von Vermögen und Wissen zu stoppen.

Der am Mittwoch (26.11.) vorgestellte Haushalt von Rachel Reeves zielt darauf ab, den umstrittensten Teil der Abschaffung der bevorzugten Steuerbehandlung für vermögende Zugezogene zu begrenzen. Diese sogenannten "Non-Domiciled Individuals" – von Bankern bis Multi-Milliardären – hatten bislang steuerliche Vorteile.

Großbritannien setzt nun eine Obergrenze dafür, wie viel Erbschaftsteuer frühere Non-Doms lokal auf ihr weltweites Vermögen zahlen müssen. Eine Grenze von fünf Millionen Pfund (ca. 5,7 Mio. Euro) pro Jahrzehnt für bestimmte Trust-Strukturen gilt rückwirkend ab demselben Monat, in dem das Non-Dom-Regime im April endete. Vermögensberater sehen darin den Versuch, die härtesten Auswirkungen der Reform abzumildern.

Pläne für neues Steuerangebot an Top-Fachkräfte
Zudem zeigen die Haushaltsunterlagen Pläne, ein "Steuerangebot" zu prüfen, das hochqualifizierte Fachkräfte anlocken soll. Beide Maßnahmen könnten das Verhältnis Großbritanniens zu globalen Eliten wieder stärken, nachdem Reeves' erster Haushalt im vergangenen Jahr viele zum Nachdenken über einen Wegzug veranlasst hatte.

"Diese beiden Maßnahmen scheinen ein Eingeständnis zu sein, dass die im vergangenen Jahr verkündeten Änderungen am Non-Dom-Regime zu weit gingen", sagt Marc Acheson, Vermögensexperte bei Utmost Wealth Solutions. Aber "es bleiben Fragezeichen, ob diese Maßnahmen wirksam sein werden".

Ein Vertreter des britischen Finanzministeriums reagierte nicht umgehend auf eine entsprechende Anfrage.

Regierung rudert teilweise zurück – bleibt aber unter Druck
Die Schritte signalisieren in mancher Hinsicht ein Zurückrudern bei Maßnahmen, die Reiche belasten. Diese hatte Labour im ersten Haushaltsplan seit mehr als einem Jahrzehnt im Oktober 2024 vorgestellt. Premierminister Keir Starmer war mit dem Versprechen angetreten, steuerliche "Schlupflöcher" für Non-Doms zu schließen.

Wirtschaftsminister Peter Kyle deutete in dieser Woche an, dass Steuererhöhungen im Haushalt des vergangenen Jahres einige Ultra-Reiche zum Wegzug bewogen hätten. Auch die jüngsten Ankündigungen enthalten höhere Abgaben für wohlhabende britische Bürger.

Abwanderung hält an – internationale Konkurrenz wächst
Großbritannien bleibt zwar ein Zentrum globalen Reichtums. Reeves steht nun jedoch vor der Frage, ob sie einer international mobilen Gruppe extrem wohlhabender Menschen bereits zu viele steuerliche Belastungen zugemutet hat – zumal konkurrierende Staaten ihrerseits Anreize bieten.

Milliardäre wie Guillaume Pousaz, Gründer von Checkout.com, Revolut-Chef Nik Storonsky und Nassef Sawiris, der zweitreichste Mann Ägyptens, haben das Vereinigte Königreich bereits verlassen. Grund war die Abschaffung des Non-Dom-Systems, das bis zu 15 Jahre lang Steuervergünstigungen auf Auslandsvermögen gewährt hatte. Einige Vermögende kommen zwar aufgrund politischer Turbulenzen in anderen Ländern nach Großbritannien, etwa aus den USA unter US-Präsident Donald Trump. Doch dürfte das den Wegzug kaum ausgleichen.

Schätzungen: Mindestens 120 Milliarden Dollar an Vermögen betroffen
Insgesamt entfällt auf Personen, die das Vereinigte Königreich bereits verlassen haben, Vermögen im Wert von mindestens 120 Milliarden Dollar, wie der "Bloomberg"-Milliardärsindex ausweist. Weitere Abgänge wurden in diesem Monat bekannt, nachdem Berichte über Reeves' Prüfung einer "Exit-Steuer" auf Vermögenswerte von ausreisenden Personen kursierten.

"Der Wegzug hat sich fortgesetzt", sagt Mark Davies, Gründer einer Steuerberatungsfirma für Ultra-Vermögende, über die Non-Dom-Bevölkerung im Vereinigten Königreich. "Die Abgänge wurden durch die Angst vor den Bestimmungen der geleakten Exit-Steuer beschleunigt, die eindeutig eine Möglichkeit darstellten, aber letztlich verworfen wurden." (mb/Bloomberg)