Das Analysehaus Franke und Bornberg hat soeben sein Altersvorsorge-Rating 2020 vorgelegt. Dabei wurden 633 Rententarife nach 67 Kriterien (2018: 49 Kriterien) untersucht. Die große Anzahl an Tarifen ist auch darauf zurückzuführen, dass sämtliche zum Stichtag bekannten Tarife aus allen drei Schichten der privaten Vorsorge, also Basisrenten (1. Schicht), Riester-Renten (2. Schicht) und private Rentenversicherungen (3. Schicht) analysiert und einer von fünf Produktkategorien ("Konzepte") zugeordnet wurden:

  1. Klassik: Policen mit garantiertem Rechnungszins. Sparbeiträge werden ausschließlich im Sicherungsvermögen der Versicherer angelegt.
  2. Neue Klassik: Auch hier fließen Sparbeiträge in das Sicherungsvermögen. Es werden endfällige Garantien, aber keine Mindestverzinsung vereinbart. Durch den Verzicht auf jährliche Garantien steigen die Renditechancen (Beispiel: klassische Produkte mit Indexpartizipation).
  3. Fonds: Sparbeiträge werden ausschließlich in Investmentfonds angelegt. In der 2. Schicht (Riester) gibt es wegen des Garantiegebotes keine fondsgebundenen Rentenversicherungen.
  4. Hybrid Garantie: Der Versicherer sagt ein Garantieniveau zu, das durch Umschichten zwischen Sicherungsvermögen und fondsorientierter Anlage während der Vertragslaufzeit erreicht wird. Vertragsguthaben, die für die Garantie nicht gebraucht werden, können renditeträchtig angelegt werden (Beispiel: dynamische 3-Topf-Hybride mit Sicherungsfonds).
  5. Hybrid Beitrag: Hier entscheiden Kunden selbst, welcher Anteil ihrer Sparbeiträge in die Fondsanlage und welcher ins Sicherungsvermögen fließt (Beispiel: statische 2-Topf-Hybride).

"Einige der neuen Kriterien sind die direkte Antwort auf die aktuellen Marktentwicklungen", erläutert Michael Franke, Mitgründer und Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Ergebnis: Überproportional viele leistungsstarke Produkte finden sich unter den Konzepten "Beitragsorientierter Hybrid", "Garantieorientierter Hybrid" sowie "Fonds". Franke führt den Qualitätsschub darauf zurück, dass diese Konzepte und damit die Gestaltung der Vertragsbedingungen vergleichsweise neu sind. "Je jünger eine Tarifgeneration, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherer sich um eine qualitativ wettbewerbsfähige Produktgestaltung bemühen", so Franke.

Neue Klassik und alternative Garantien
Eine weitere Erkenntnis lautet: Klassik war gestern – und wird auf absehbare Zeit keine Renaissance erleben. Nur noch 42 Gesellschaften bieten klassische Rentenversicherungen an. Stattdessen konzentrieren sich die Versicherer zunehmend auf garantieorientierte Hybrid-Produkte oder Fonds, hat Franke beobachtet.

Aktuell tendiere der Markt zu laufzeitabhängigen Garantien: Versicherte starten mit einem garantierten Anteil ihrer Beitragssumme, der mit der Laufzeit des Vertrages stetig steigt. Wie wichtig Flexibilität bei der privaten Altersvorsorge ist, hat nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt. Eine Rentenversicherung soll sich dem Leben anpassen und nicht umgekehrt. Deshalb bewertet Franke und Bornberg zusätzlich zu bereits vorhandenen Kriterien im neuen Rating auch Regelungen zu Beitragsdynamik und Kapitalauszahlungen bei Rentenbeginn.

"Alle Optionen und Produktcharakteristika müssen verbindlich geregelt sein, denn nur auf die Versicherungsbedingungen kann sich ein Kunde im Ernstfall rechtssicher berufen", betont Franke. Deshalb legt das Analysehaus besonderes Augenmerk auf  dieTransparenz der Bedingungen und bewertet, ob Formulierungen verständlich und kundenorientiert gestaltet sind.

Dritte Schicht prägt das Gesamtbild
Von insgesamt 633 untersuchten Tarifen entfallen mehr als die Hälfte (363) auf private Vorsorgetarife der dritten Schicht. Hier seien die Gestaltungsmöglichkeiten besonders groß. Viele Gesellschaften machten davon Gebrauch. "Je weniger gesetzliche Vorgaben bei der Produktgestaltung, desto größer die Chance auf leistungsstarke Tarife", kommentiert Franke das Ergebnis. Angesichts der hartnäckigen Nullzinsphase gebe es keine stichhaltigen Argumente mehr für das Obligatorium "Beitragserhalt". Wichtig sei allerdings die Transparenz: Kunden müssten ein Verständnis dafür entwickeln können, welches Anlage- und Risikokonzept das gewünschte Produkt verfolgt.

Unter Verbrauchern wächst außerdem das Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensweise, zu der auch Versicherer ihren Beitrag leisten durch Produkte zählen, die nach den Gesichtspunkten "Environmental, Social und Governance (ESG)" gestaltet sind. "Das ESG-Konzept bringt die Versicherungsbranche zunehmend auf Trab", so Franke. Die Bewertung nachhaltiger Tarife sei allerdings alles andere als trivial, wenn Mogelpackungen und Marketinggags keine Chance haben sollen. "Wir arbeiten daran", verspricht der Analyst.

Ergebnisse bei Fondspolicen
Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen wurden 137 Tarife mit Schulnoten zwischen 0,5 (hervorragend) und bis 5,5 (mangelhaft) vergeben. Hervorragend sind gleich 18 Tarife bewertet worden, die in alphabetischer Reihenfolge der Gesellschaften aufgelistet sind. Details zu den Ergebnissen der fünf Produktkategorien (Liste der Anbieter samt Tarif-Namen und Bewertung) sowie die Rating-Methodik gibt es auf der Website des Analysehauses. Die Übersichten liefern Momentaufnahmen und werden laufend aktualisiert und um neue Produkte ergänzt. Übrigens: Das Altersvorsorge-Rating ist ein reines Produktrating und konzentriert sich auf die Qualität der Vertragsbedingungen.

"Das Rating zur Rentenversicherung des Marktbeobachters Map-Report, der auch zu Franke und Bornberg gehört, betrachtet dagegen Bilanzkennzahlen, Servicekennzahlen und auch Renten- und Ablaufwerte – also Performance-Gesichtspunkte", erklärt Christian Monke, Leiter Analyse bei Franke und Bornberg, auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. (dpo)