Die Chemieindustrie bietet ihren Beschäftigten als erste Branche das Sozialpartnermodell in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) an. Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC haben sich in der vergangenen Woche auf Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt, der auch eine sogenannte "Nahles-Rente" einschließt. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Partner werde, wie schon in der betrieblichen Pflegeversicherung und im Chemie-Versorgungswerk, die R+V Versicherung sein.

Die Nahles-Rente wurde 2018 im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes eingeführt. Im Kern bietet dieser Durchführungsweg für eine bAV die Möglichkeit, dass die Träger der betrieblichen Altersvorsorge, etwa Pensionsfonds, Pensionskassen oder Versicherer, reine Beitragszusagen nur dann umsetzen dürfen, wenn sie dafür keine Verpflichtungen eingehen, die garantierte Leistungen enthalten. Es gibt also keine Beitragsgarantien sowie keine festen Rentenzusagen mehr. Die damalige Bundesarbeitsministerin Nahles wollte so die Verbreitung von Betriebsrenten ankurbeln. Bei diesem Modell, so die Idee, würde auch die Arbeitgeber entlastet, weil sie fehlende Garantiebeiträge nicht ersetzen müssen. 

Chance auf höhere Renditen
Der FAZ zufolge tut sich der Chemie-Pensionsfonds wie alle Einrichtungen der Altersvorsorge schwer, im Niedrigzins ausreichend Erträge zu erwirtschaften. Deshalb sei die Diskussion aufgekommen, ob die Mindestleistung für Pensionäre in diesem Jahr auf 92,5 Prozent abgesenkt werden muss. Bei einer Senkung müssten Arbeitgeber aber für die Lücken geradestehen. Aus dem Grund haben sie Interesse an dem Sozialpartnermodell, in dem sich Tarifparteien darauf einigen können, eine garantiefreie Rente anzubieten und gemeinsam für die Richtlinien der Kapitalanlage einzutreten. Die reine Beitragszusage bietet zudem die Chance auf höhere Wertsteigerungen, weil weniger Kapital zur Garantiesicherungen in kaum rentierliche Anleihen fließen muss. 

In der Chemieindustrie verantwortet der brancheninterne Pensionsfonds derzeit rund ein Viertel der Altersvorsorgeleistung. Zudem gibt es große Pensionskassen von Unternehmen wie Bayer oder dem ehemaligen Hoechst-Konzern. Diese Einrichtungen können in Absprache mit ihren Betriebsräten ebenfalls Sozialpartnermodelle einführen. (jb)