Neue Top Ten: ETFs wirbeln BVI-Statistik durcheinander
Welche Anbieter sind Deutschlands größte Fondsgesellschaften? Eine Antwort auf diese Frage liefert die Investmentstatistik des Branchenverbands BVI. Doch zuletzt sorgte eine Methodik-Änderung für signifikante Verschiebungen im entsprechenden Ranking. FONDS professionell ONLINE klärt auf.
Die Rangfolge der Fondsanbieter mit dem größten Deutschlandgeschäft laut BVI-Investmentstatistik hat sich per Ende 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich geändert: Der New Yorker Weltmarktführer Blackrock, der 2024 gemessen am Volumen der in Deutschland abgesetzten Wertpapierpublikumsfonds noch auf Rang fünf zu finden war, steht im aktuellen Ranking auf Platz zwei, und Europas größter Asset Manager Amundi verbesserte sich vom achten auf den sechsten Rang (siehe Grafik).

Hintergrund ist eine im Frühjahr 2025 eingeführte Neuerung bei der Erfassung börsengehandelter Fonds. Bis Ende 2024 konnten die Asset Manager dem BVI für die Investmentstatistik nur jene ETFs melden, die sich schwerpunktmäßig an Anleger aus Deutschland richteten. Eine genauere Erfassung war nicht möglich, weil die Anbieter bei europaweit zugelassenen ETFs nicht nachvollziehen können, in welchen Ländern ihre Produkte ge- oder verkauft wurden.
Dank einer Kooperation zwischen dem BVI, den Fondsgesellschaften und dem Zentralverwahrer Clearstream ist nun ein viel genauerer Überblick möglich, denn Clearstream kann zuordnen, in welchen Depots die ETF-Anteile liegen. Seit dem ersten Quartal 2025 werden in der BVI-Statistik daher unzählige ETFs berücksichtigt, die in dem Zahlenwerk bislang nicht auftauchten.
Blackrock "gewinnt", die DWS "verliert"
Großer Gewinner dieser Methodik-Änderung ist Blackrock. Früher hatte der US-Asset-Manager dem BVI nur die von seiner Münchner Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegten iShares-ETFs gemeldet, die iShares-Produkte aus Irland und Luxemburg blieben außen vor. Das hat sich mit der Statistik-Umstellung geändert. Nun werden alle iShares-ETFs berücksichtigt, die in einem deutschen Bankdepot liegen – unabhängig vom Fondsdomizil. Das ist der wesentliche Grund dafür, warum der Bestand der in Deutschland abgesetzten Blackrock-Fonds von knapp 70 Milliarden Euro per Ende 2024 auf annähernd 270 Milliarden Euro per Ende 2025 nach oben schnellte.
Größter Verlierer ist auf den ersten Blick die DWS: Das beim BVI erfasste Vermögen der in Deutschland abgesetzten Wertpapierpublikumsfonds fiel auf Jahressicht um rund 90 Milliarden Euro auf zuletzt 344 Milliarden Euro. Der Grund: Der Asset Manager der Deutschen Bank hatte dem BVI früher das gesamte Volumen derjenigen ETFs gemeldet, die einst schwerpunktmäßig für den deutschen Absatzmarkt lanciert wurden. Ein guter Teil davon liegt allerdings nicht in den Depots deutscher Banken, sondern bei Kunden aus ganz Europa, wie sich aus den neuen BVI-Zahlen dank den Clearstream-Daten ablesen lässt. Mit Mittelabflüssen hat das Minus nichts zu tun, es steht gewissermaßen nur auf dem Papier: Die DWS warb in ihrem Heimatmarkt ausweislich ihrer Geschäftszahlen 2025 unter dem Strich 28,6 Milliarden Euro ein.
Volumen verdreifacht nach ETF-Berücksichtigung
Bei Amundi zeigt sich ein ähnlicher Effekt wie bei Blackrock. Früher blieben die ETFs der Franzosen bei der BVI-Statistik außen vor, nun werden sie erfasst. Das ist der wichtigste Grund, weshalb das Volumen der Amundi-Wertpapierfonds in den Zahlen des Branchenverbands mittlerweile auf 128,8 Milliarden Euro beziffert wird – statt wie zuvor auf 43,1 Milliarden Euro. Die Berücksichtigung der ETF-Daten half also kräftig dabei, den ausgewiesenen Bestand in Deutschland auf Jahressicht zu verdreifachen.
Es ist hilfreich, die Hintergründe für die genannten Verschiebungen zu kennen, schließlich genießt die BVI-Investmentstatistik in der Branche eine hohe Aufmerksamkeit. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass die Zahlen des Branchenverbands auch nach der geänderten Methodik nicht perfekt sein können: Viele in Deutschland aktive Asset Manager melden dem BVI keine Daten, darunter einige der großen international tätigen Häuser und auch einige relevante heimische Anbieter. (bm)















