"Nicht einfach ein neues Produkt starten und mit internem Geld füllen"
Die Schweizer Privatbank UBP eröffnete vor mehr als fünf Jahren eine Niederlassung in Frankfurt. Mittlerweile hat das Deutschland-Geschäft deutlich an Bedeutung gewonnen. Zudem zielen die Schweizer zunehmend auf Retailkunden, berichtet Wholesale-Chef Christian Betzel.
Der Asset-Management-Arm der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) baut hierzulande das Retailgeschäft aus. Dafür hatte das Institut im Jahr 2023 Christian Betzel von Wellington Management geholt und zum Leiter Wholesale ernannt. Nachdem zum Deutschland-Start vor allem institutionelle Kunden im Vordergrund gestanden hatten, gewann zuletzt der Retailmarkt deutlich an Gewicht hinzu, wie Betzel im Interview berichtet.
Herr Betzel, viele Asset Manager drängen auf den Markt. Wie setzt sich ein hierzulande noch wenig bekannter Anbieter von der großen Masse ab?
Christian Betzel: Die UBP ist kein Generalist, sondern ein spezialisierter Asset Manager. So treten wir auch auf. Zudem versuchen wir, aus einer etwas anderen Perspektive heraus an die Märkte heranzugehen.
Wie sieht das aus?
Betzel: Eine unserer Blockbuster-Strategien ist ein Hochzinsfonds. Wir decken das Segment aber nicht über die Auswahl von einzelnen Bonds ab, sondern über Credit Default Swaps, kurz CDS. Damit zählen wir zu den Vorreitern im Markt. Die Strategie ist auch mit einem verwalteten Vermögen von gut acht Milliarden Euro mit Abstand unser größtes Produkt. Das Portfolio ist hochliquide, praktisch wie ein ETF, bietet aber eine Mehrrendite gegenüber dem Vergleichsindex. Das ist ein Beispiel dafür, wie wir uns als kleines Haus von den großen Mitbewerbern absetzen können.
Entwickelt Ihr Haus nicht vor allem Fonds für den Einsatz im Wealth Management der Bank?
Betzel: Teilweise haben wir Produkte komplett unabhängig von der Privatbank lanciert. Wir setzten dabei rein auf institutionelle Kunden oder sahen eine Chance im Wholesale-Markt. Teilweise nutzten wir aber auch unser internes Netzwerk. Das Wealth Management verfügt aber über eine eigene Research-Einheit, welche die hauseigenen Produkte unabhängig prüft. UBP-Fonds sind also kein Selbstläufer in unserer Vermögensverwaltung. Sie müssen sich dem Wettbewerb mit externen Strategien stellen. Wir zählen nicht zu den Häusern, die ein neues Produkt starten, mit internem Geld füllen und dann schauen, wie der Außenvertrieb läuft.
Wie wollen Sie die Marke UBP bekannter machen?
Betzel: Die UBP eröffnete vor fünf Jahren eine Dependance in Frankfurt. Zu Beginn standen institutionelle Kunden im Fokus. Doch mittlerweile entspringen rund 60 Prozent unseres hierzulande verwalteten Vermögens dem Wholesale-Bereich und 40 Prozent dem institutionellen Bereich. Das Wholesale-Geschäft wollen wir ausbauen.
Welche weiteren Absatzmärkte will Ihr Haus erschließen?
Betzel: In Deutschland sehen wir aktuell ein signifikantes Steigerungspotenzial. Weitere Kernmärkte sind, abgesehen vom Heimatmarkt Schweiz, Großbritannien, Spanien und Italien. Allein schon durch die demographische Entwicklung erscheint zudem Asien als ein spannender Markt. Wir sind in Japan, Singapur sowie in Honkong und in Festlandchina vertreten. Dort verfügen wir auch über ein Portfoliomanagement und ein Research-Team.
Ihr Haus hat eine Lizenz in der Volksrepublik China erhalten?
Betzel: Ja, wir sind als Qualified Domestic Limited Partner, kurz QDLP, zugelassen. Diese Lizenz erlaubt es ausländischen Vermögensverwaltern, von vermögenden Privatkunden und institutionellen Investoren Geld einzusammeln, in Fremdwährung umzutauschen und in ausländische Fonds zu investieren. Im chinesischen Markt sehen wir starkes Wachstumspotenzial.
Ein anderes Wachstumsfeld sind börsengehandelte Fonds. Planen Sie die Auflage von ETFs?
Betzel: Mit diesem Thema beschäftigen wir uns eingehend. Wir stellen uns die Frage, ob wir dies umsetzen und wie. Wahrscheinlich werden wir ETFs auflegen. Offen ist aber der Weg dorthin. So könnten wir hausintern Strukturen aufbauen oder uns eines White-Label-Anbieters bedienen. Dies hängt von strategischen Fragen ab, die wir zunächst beantworten müssen.
Welche Fragen sind das?
Betzel: Die Kernfrage ist, ob wir ETFs als strategisches Feld ansehen, in dem wir in den nächsten Jahrzehnten unsere Präsenz ausbauen und entsprechend Geld investieren wollen, oder ob wir zunächst einen Testballon steigen lassen, um zu schauen, ob er angenommen wird. Fest steht, dass man die Unterschiede zwischen ETFs und klassischen Publikumsfonds keinesfalls unterschätzen sollte.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)













