In Asien zählt Nikko Asset Management durchaus zu den großen Fondsanbietern. Hierzulande ist das Investmenthaus bislang allerdings nur wenigen Branchenkennern ein Begriff. Doch das soll sich ändern. Vor einigen Wochen hat Nikko AM ein Büro in Frankfurt bezogen. Von dort aus betreut Michael Steiner, der zuvor unter anderem für Investec und Generali Investments gearbeitet hatte, Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE erläutert er, was sich Nikko AM von dem Markteintritt verspricht – und mit welchen Produkten er in der DACH-Region punkten möchte.


Herr Steiner, Nikko Asset Management ist seit Mitte März mit einer Niederlassung in Frankfurt präsent. Was veranlasst einen japanischen Vermögensverwalter, den ohnehin schon hart umkämpften deutschsprachigen Markt betreten zu wollen?

Michael Steiner: Der deutsche Asset-Management-Markt hat sich seit dem Jahr 2008 auf rund drei Billionen Euro verdoppelt. Das ist eine Wachstumsgeschichte – und wir glauben, dass unsere Produkte eine echte Bereicherung für den Markt darstellen können, unter anderem dank unseres lokalen Researchs in Asien. Unser Slogan lautet "Global Citizen with Asian DNA". Das ist nicht nur so daher gesagt, sondern wird wirklich gelebt. Nikko wurde vor 60 Jahren in Tokio gegründet. In London, von wo aus wir das Geschäft in der EMEA-Region steuern und globale Investmentlösungen anbieten, sind wir bereits seit 35 Jahren vertreten. Hinzu kommen Niederlassungen in Luxemburg, Schottland, den USA, Australien und Neuseeland. Wir sind wirklich global aufgestellt.

Nikko verwaltet rund 220 Milliarden US-Dollar, also etwa 200 Milliarden Euro. Wie verteilt sich dieses Vermögen um den Globus?

Steiner: Etwa drei Viertel davon liegen in Asien, das restliche Viertel ist international investiert. Rund 80 Milliarden US-Dollar stecken in japanischen Aktien. Allein in unserer Zentrale in Tokio arbeiten 100 Fondsmanager und Analysten. Etwa 20 Milliarden US-Dollar stammen aus Europa. Die Internationalisierung ist wichtig für unser Unternehmen – uns unterscheidet nämlich ein wesentlicher Punkt von den meisten anderen asiatischen Asset Managern.

Und zwar welcher?

Steiner: Wir haben keinen eigenen Absatzkanal, sind also nicht mit einer Bank oder einem Versicherer verbunden, der unsere Produkte vertreibt. Darum sind wir schon seit 60 Jahren darauf angewiesen, wirklich kundenfreundliche Lösungen zu entwickeln – anders hätten wir keine Chance im Vertrieb.

Auf welche Vertriebskanäle setzen Sie?

Steiner: Außerhalb Asiens, also auch in der DACH-Region, konzentrieren wir uns auf das Wholesale- und das institutionelle Geschäft. In Japan ist Nikko stark im Retail- und Wholesale-Segment unterwegs. Daneben gibt es auch Mandate für Pensionsfonds und staatliche Organisationen.

"Wholesale" wird oft unterschiedlich definiert. Was meinen Sie damit genau?

Steiner: Wir möchten anfangs vor allem Geschäftsbanken, Privatbanken und Family Offices ansprechen. Für deren Kunden bieten wir einige sehr attraktive Lösungen. Unsere Eröffnungsveranstaltung in Frankfurt haben wir unter das Motto "Disruptive Innovationen" gestellt, ein sehr spannendes und vielschichtiges Thema – es reicht von der Blockchain über Gen-Sequenzierung, Künstliche Intelligenz und Robotics bis hin zur Energiespeicherung. Unter den Besuchern waren erstaunlich viele Vertreter von Privatbanken und Family Offices, obwohl Frankfurt wegen der Fülle an Terminen sicherlich kein einfaches Pflaster für solche Veranstaltungen ist. Das zeigt uns, dass es uns gelingt, diese Zielgruppe anzusprechen.

Bislang sind Sie der einzige Vertreter von Nikko AM in der deutschsprachigen Region. Wie groß soll das Team werden?

Steiner: Wir möchten organisch wachsen und das Team mit der Zeit aufbauen. Wichtig ist, dass ich heute schon hervorragend von meinen 70 Kollegen aus London unterstützt werde. Dort sitzen auch deutschsprachige Portfoliomanager und ein deutschsprachiger Sales-Support, was meine Arbeit sehr erleichtert.

Wie wurden Kunden aus der DACH-Region früher betreut?

Steiner: Aus London heraus. Doch Nikko hat erkannt, dass es Sinn ergibt, diese Kunden vor Ort zu betreuen. Die Eröffnung einer Niederlassung in Deutschland unterstreicht das Commitment für den hiesigen Markt. Frankfurt ist für Nikko übrigens das erste Vertriebsbüro, das auf dem europäischen Festland eröffnet wurde.

Ihre Aufgabe wird es sein, zunächst die Marke Nikko bekannter zu machen, da darf der Bauchladen nicht zu groß sein. Welche Produkte werden Sie im Wholesale-Vertrieb in den Fokus stellen?

Steiner: Ein Beispiel ist der Nikko AM ARK Disruptive Innovation Fund, der auf die vorhin bereits erwähnten Trends setzt. Dieses Thema bewegt viele Menschen und hat zudem das Potenzial, sehr ertragreich zu sein – das ist eine vielversprechende Kombination. Unser New Yorker Partner ARK Invest managt diese Strategie seit viereinhalb Jahren, und seither lag die Performance im Schnitt bei über 18 Prozent per annum. Seit rund einem Jahr gibt es den Fonds auch im UCITS-Mantel.

Wahrscheinlich haben Sie auch japanische Aktien im Angebot.

Steiner: Selbstverständlich, zum Beispiel den Nikko AM Japan Value Fund, eine Strategie, die sich seit 25 Jahren bewährt hat und in der mittlerweile rund fünf Milliarden Euro stecken. Doch Nikko hat mehr zu bieten als japanische Aktien. So gehört der Nikko AM Global Equity Fund seit Jahren zu den besten seiner Vergleichsgruppe. Interessant ist, dass sich dessen konzentriertes Portfolio kaum mit anderen Weltaktienfonds überschneidet, darum eignet sich dieser Fonds gut zur Diversifizierung eines globalen Aktienportfolios. Hinzu kommt, dass der Portfoliomanager Nachhaltigkeitskriterien in seinen Investmentprozess integriert hat.

Und welche Fonds möchten Sie auf der Rentenseite in den Fokus stellen?

Steiner: Eine echte Innovation ist der Nikko AM Global Green Bond Fund. Er kam schon 2010 an den Markt und war damals der weltweit erste Fonds, der auf dieses Anleihensegment gesetzt hat. Interessant für viele Kunden dürfte auch der Nikko AM Asia Credit Fund sein, denn bei asiatischen Anleihen haben die wenigsten europäischen Anbieter die nötige Expertise. Ein zukunftsträchtiges Thema ist auch der Nikko AM RMB Bond Fund, der auf Papiere in Renminbi setzt. Bei diesem Fonds kooperieren wir mit einem chinesischen Asset Manager und haben daher einen guten Einblick in diesen Markt.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)