Die börsennotierte Hövelrat Holding, die Eigentümerin des norddeutschen Vermögensverwalters Proaktiva, hat für die kommenden Jahre ein ambitioniertes Expansionsprogramm angekündigt. "Wir möchten erstens Mehrheitsbeteiligungen an anderen Vermögensverwaltern erwerben und uns zweitens an einer Gesellschaft beteiligen, die bereits Publikumsfonds managt, oder eine eigene Fondstochter gründen, in die kleinere Asset-Manager ihre Publikumsfonds auslagern können", sagte Hövelrat-Vorstand Torben Peters im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Dass sich ein Vermögensverwalter so explizit um anorganisches Wachstum bemüht, dürfte eher selten sein. Die Branche gilt gemeinhin als verschwiegen, was ihre Geschäftspläne anbelangt. Auch gezielte Übernahmen von Wettbewerbern sind eher selten. Proaktiva mit Sitz in Hamburg und Hannover betreut mit zwölf Mitarbeitern rund 500 Kunden und verwaltet in Summe etwa 350 Millionen Euro. 40 Millionen Euro davon liegen im 2008 aufgelegten flexiblen Mischfonds Wachstum Global I. Das von Peters gemanagte Portfolio kommt auf vier Sterne bei Morningstar.

Regulierung setzt kleine Vermögensverwalter unter Druck
"Unter dem Dach der Hövelrat Holding AG würden wir gerne weitere Vermögensverwalter anbinden, die dann neben der Proaktiva stehen", sagte Peters, der auch bei Proaktiva im Vorstand sitzt. "Ein denkbares Modell wäre, dass der Vermögensverwalter uns die Mehrheit an seinem Unternehmen verkauft und dafür entweder Hövelrat-Aktien erhält oder bar abgefunden wird." Der bisherige Firmenname bliebe bestehen, auch die Kunden würden ihre Ansprechpartner behalten. "Uns ist sehr wichtig, dass der Gründer als substanziell beteiligter Partner an Bord bleibt. Schließlich möchten wir vermeiden, dass er uns die Firma verkauft, nur um dann ein neues Konkurrenzunternehmen zu gründen."

In Frage für eine solche Anbindung kämen insbesondere kleinere Institute mit zwei oder drei Mitarbeitern. "Diese Vermögensverwalter haben heute schon mit der immer schärferen Regulierung und der damit verbundenen Verwaltungsarbeit zu kämpfen. Mit Mifid II werden die Anforderungen noch deutlich steigen", sagte Peters. Die Vorschriften aus der EU-Finanzmarktrichtlinie werden ab Anfang 2017 gelten. "Unsere Idee ist, das gesamte Backoffice mit Compliance, interner Revision oder Buchhaltung zu übernehmen und unseren Partnern so den Rücken freizuhalten." Gespräche mit ersten Interessenten würden bereits geführt. Einen genauen Zeitplan verfolge Hövelrat dabei nicht. "Die Chemie zwischen allen Beteiligten muss stimmen. Wachstum um jeden Preis ist nicht unser Ziel."

Vertrieb für andere kleine Asset-Manager
Ähnliche Argumente führt Proaktiva-Vertriebsleiter Robert Focken mit Blick auf das zweite Zukunftsthema an, die Abspaltung einer Fondstochter. "Im Laufe dieses oder nächsten Jahres wollen wir das Fondsgeschäft und die Vermögensverwaltung klar voneinander trennen, unter anderem mit Blick auf Mifid II", so Focken. Dieses übernommene oder neu gegründete Unternehmen könnte dann Dienstleistungen für andere Vermögensverwalter übernehmen, die eine solche Trennung mangels Größe nicht selbst vornehmen könnten. "Außerdem möchten wir Fondsboutiquen ansprechen, die ihre Portfolios zwar gut managen, den Vertrieb bislang aber vernachlässigt haben."

Focken hat bereits vor einigen Monaten begonnen, den Wachstum Global I institutionellen Kunden anzubieten. Der Retail-Vertrieb, unter anderem über freie Berater, soll bald folgen. Geht es nach ihm, können auch andere kleine Asset-Manager von seiner Expertise im Vertrieb profitieren – vor seinem Wechsel zu Proaktiva arbeitete Focken unter anderem neun Jahre lang bei Mainfirst. "Wir würden allerdings nur den Vertrieb von Fonds übernehmen, die nicht im direkten Wettbewerb zum Wachstum Global I stehen", betont er. (bm)