Die Düsseldorfer Boutique Meriten war im Geschäft mit institutionellen Kunden verwurzelt. Mit der Übernahme durch die französischen Bankiersfamilie Oddo und die Verschmelzung mit deren Asset-Management-Sparte kam Bewegung in das Haus. Seither wurde die Vorstandsetage in Düsseldorf kleiner. Martin Theisinger und Thomas Herbert verließen die Fondsgesellschaft. Dafür heuerten die Franzosen Matthias Mohr an. Der arbeitete beim Branchenriesen Blackrock und zuvor bei Allianz Global Investors. Mohr soll nun das Retail-Geschäft ausbauen.


Herr Mohr, Sie wechselten jüngst von Blackrock zu Oddo Meriten Asset Management, also von einem großen, angelsächsischen Universalanbieter zu einem spitzer aufgestellten, deutsch-französischen Haus. Was sind die Unterschiede?

Matthias Mohr: So spannend die Arbeit bei Blackrock und so toll das Team auch war, bei einem weltumspannenden Haus ist man nur ein kleines Rädchen in einer großen Maschinerie. Bei Oddo Meriten bin ich als Vertriebschef für Deutschland und Österreich nun verantwortlich, auch das Geschäft im Retailbereich auszubauen. Im institutionellen Bereich ist Oddo Meriten bereits bekannt, bei freien Beratern und in den Bankfilialen aber ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Das soll und wil ich ändern. Ich habe also viel Gestaltungsspielraum – und viel Verantwortung. Das macht es zu einer sehr spannenden Aufgabe.

Ist die Kultur eine andere?

Mohr: Das Privatbankhaus Oddo ist familiär und bodenständig. Philippe Oddo ist ein echter Bankier. Das lebt er auch vor. Und mit seinem Unternehmergeist prägt er die ganze Gruppe. Engagement, Initiativgeist und Kundenfokus sind zentrale Werte unseres Hauses.

Bei Oddo Meriten Deutschland verantwortete zuletzt Thomas Herbert als Geschäftsführer den Retail-Vertrieb. Er wechselte zu Jahresbeginn zu Ethenea. Rücken Sie als Ersatz in das Gremium?

Mohr: Nein, das ist nicht geplant. Ich verantworte den Vertrieb unterhalb der Geschäftsführungsebene mit direkter Berichtslinie an unseren Vorstandschef Nicolas Chaput. Die Führungsstruktur ist dadurch schlanker geworden, was uns effektiver und effizienter macht.

Sie sollen das Retailgeschäft ausbauen. Was planen Sie?

Mohr: Ich habe eine ganz wesentliche Veränderung vorgenommen und den Vertrieb regional aufgeteilt. Bisher war er nach Zielgruppen strukturiert. So konnte es vorkommen, dass zwei Kollegen in derselben Stadt unterwegs waren. Die Trennung zwischen Retail- und institutionellen Kunden bleibt aber. Diese Aufstellung erlaubt es uns, viel intensiver in die Fläche zu gehen und die freien Berater und Banken besser zu betreuen.

Viele Anbieter fischen auf dem deutschen Markt nach Kunden. Wie unterscheiden Sie sich da von anderen?

Mohr: Die Kombination aus Deutschland und Frankreich macht uns einzigartig. Wir sind ein klarer Euroland-Spezialist. In Paris haben wir ein kompetentes und erfahrenes Team für Aktien, in Düsseldorf schwerpunktmäßig für Anleihen. Wir bieten zudem auch Multi-Asset-Strategien, allerdings eher im institutionellen Bereich. Bei Publikumsfonds haben sich hier schon große Platzhirsche etabliert. Gegen die anzugehen, würde betriebswirtschaftlich keinen Sinn ergeben. Wir sehen uns als Baustein-Lieferant für das Portfolio unserer Kunden.

Spielt der neue Retail-Fokus auch bei der Produktentwicklung eine Rolle?

Mohr: Die französischen Kollegen haben bereits viel Erfahrung im Retailgeschäft in Frankreich. Das ist zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Aber sie kennen die Bedürfnisse dieser Kundengruppe und können darauf eingehen. Das hilft mir und meinen Vertriebskollegen.

Vielen Dank für das Gespräch.(ert)